12. Juli 2010

Bahnbrechende Annäherung

Von nst_xy

Patriarchentreffen in Moskau
Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., will schon im kommenden Jahr ein gemeinsames Konzil der orthodoxen Kirchen einberufen. Das sagte das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie im Rahmen seines Besuchs beim Moskauer Patriarchen Kyrill. Damit ist die Verwirklichung des seit 1961 in Planung befindlichen panorthodoxen Konzils in greifbare Nähe gerückt.
Die zehntägige Visite von Bartholomaios bei den russischen Konfessionsgeschwistern wurde von Kommentatoren als „bahnbrechendes Zusammenrücken“ der beiden orthodoxen Kirchen bewertet. Nachdem der russischen Kirche in den letzten Jahrzehnten immer wieder nachgesagt worden war, sie strebe selbst nach der Führerschaft in der orthodoxen Welt, unterstrich Patriarch Kyrill erstmals seit langem wieder den Ehrenvorrang der „Großen“ Kirche von Konstantinopel. Bartholomaios revanchierte sich, indem er der russischen Kirche bestätigte, die wichtigste orthodoxe Kraft zu sein. Nach Ansicht von Beobachtern könnte dies bedeuten, dass das Moskauer Patriarchat kirchenrechtlich vom bisherigen fünften auf den zweiten Platz in der Rangfolge der Orthodoxie aufrücken könnte.
Ins Gewissen geredet haben soll Bartholomaios den russischen Brüdern in Sachen Ökumene. Während trotz vieler Differenzen der Dialog zwischen Moskau und den Katholiken Fortschritte macht, sind die Beziehungen der Russisch-orthodoxen mit den Kirchen der Reformation abgekühlt. Bartholomaios dagegen hält unbeirrt an der Ökumene als Vision für alle Christen fest. kna/swi

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2010)
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