Das hatte gerade noch gefehlt.
Erfahrungsberichte
Das hatte gerade noch gefehlt.
An einem Tag hatte ich mir aufgrund der Bibelstelle „Werft alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt für euch!“ (1. Petrus 5,7) als Motto: „im Vertrauen wachsen“ vorgenommen. Mitten im Trubel dieses Tages blinkte es dann oft wie eine Warnleuchte auf, das mich an das Wort erinnerte und neu ausrichtete: Ich war extra in der Stadt, um einiges zu erledigen, aber die Anlaufstellen waren geschlossen oder wegen Sitzungen nicht erreichbar; die S-Bahn fuhr mir vor der Nase weg; am Nachmittag zeigte sich, dass ich drei Ehepaare, ehrenamtliche Mitverantwortliche, eine halbe Stunde zu früh für die Besichtigung einer Kongresshalle in Vorbereitung einer Tagung bestellt hatte. Das hatte gerade noch gefehlt, um mein Fass zum Überlaufen zu bringen!
Aber bevor ich mich noch so richtig über mich selber ärgern konnte, blinkte wieder die „innere Lampe“ auf: „Vertraue“, dass auch diese Fehlleistung zu etwas Besserem dient. Und tatsächlich konnten wir die halbe Stunde beim Kaffee in Ruhe nutzen, um Programmplanung und Teilverantwortlichkeiten zu klären. Damit war bei der Besichtigung das Augenmerk aller geschärft für spezifische Einzelheiten und half, bestimmte Fragen frühzeitig anzusprechen.
Mit Erstaunen stellte ich am Abend fest, dass dieses Wort mir an diesem „unmöglichen“ Tag einen „neuen Blick“ auf Menschen und Umstände vermittelt hatte.
K.R.
Nicht sofort zurückschlagen!
Vor kurzem haben wir uns mit einer Gruppe von Teens für ein Wochenende getroffen, um miteinander das Evangelium zu leben. Bei jeder Gelegenheit zog es uns in den Park. Dort stand eine riesige Drehscheibe, so groß, dass wir alle (und wir waren mehr als zehn!) und noch andere darauf Platz hatten.
Einmal zogen zwei von uns alleine zum Spielplatz. Da kam eine Gruppe Jugendlicher aus der Umgebung dazu und die beiden haben ihnen – eher widerwillig – die Drehscheibe überlassen und zugeschaut. Eigentlich hätten sie ja selbst gerne gespielt. Als sie meinten, nun seien sie wieder dran und die anderen deshalb ansprachen, kam das gar nicht gut an: Die Jugendlichen wurden sehr unfreundlich.
In der Zwischenzeit hatten wir unsere zwei vermisst und uns Richtung Spielplatz auf die Suche nach ihnen gemacht. Sie kamen uns entgegen und erzählten; auch, dass sie Angst hatten, von den Jugendlichen aus der Nachbarschaft geschlagen zu werden; die seien so unfreundlich.
Alle miteinander gingen wir zur Drehscheibe. Da standen die anderen Jugendlichen noch; immer noch ziemlich aufgebracht. Wir sprachen mit ihnen und es wurde bald klar, dass sie sich von unseren beiden „schief angeschaut“ gefühlt hatten. Eine sagte: „Wenn mich jemand beleidigt, dann beleidige ich zurück. Und wenn mich jemand schlägt, dann schlage ich zurück.“ Während der Großteil von uns mit kleineren Nachbarjungs auf der Drehscheibe spielte, blieben andere einfach mit dieser Jugendlichen neben dem Kreisel stehen und hörten ihr zu.
Auf dem Rückweg haben wir uns unterhalten, was passiert war. So haben wir kapiert, dass auch jemanden „nur ansehen“ – wenn wir es ohne Wohlwollen und Liebe tun – den anderen verletzen kann wie eine Beleidigung. Der Satz „Wenn mich jemand schlägt, dann schlage ich zurück“ hat uns darauf gebracht, dass Jesus sagte: „Wenn jemand dich auf die rechte Wange schlägt, dann halte auch die linke hin.“ Das hat uns zu denken gegeben. Wir haben aber auch verstanden, dass es manchmal einfach nur wichtig ist, nicht gleich zurückzuschlagen. In diesem Fall haben wir den ungerechten Anschuldigungen einfach zugehört, die Ungerechtigkeit ausgehalten.
Als wir am nächsten Tag zum Spielplatz gingen, sahen wir schon von weitem zwei Jugendliche – eine davon war genau diejenige, die gesagt hatte „Wenn einer mich beleidigt, dann beleidige ich zurück.“ Wir gingen zu ihr und ihrer Freundin und fragten, ob wir nicht zusammen auf der Drehscheibe spielen können. So haben wir es gemacht – und es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht! Die beiden waren total nett!
A.,C.,C.,C.,M.,M.,F.,J., J.,J.,K.,M.
Biogemüse zu verschenken.
Im Sommer ernten wir in unserem Garten manchmal mehr Gemüse, als wir selber verbrauchen. Es den Nachbarn anzubieten, war oft zeitaufwändig und nicht passend. So begannen wir, das Gemüse auf unseren Garagenplatz zu stellen – mit einem Schild „Biogemüse zu verschenken“. Die Schale mit Gurken und Zucchini war in kürzester Zeit leer. Später legten wir Gewürzsträußchen und anderes dazu. Alles fand Abnehmer.
Ohne etwas zu erwarten, freuten wir uns über Reaktionen. So fragte ein junger Mann verwundert, ob wir tatsächlich nichts dafür haben wollten. Wir erzählten, dass wir unseren Überfluss gern weiterschenken, um anderen eine Freude zu machen und auch aus Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer.
Einmal hörten wir, wie eine Frau enttäuscht ausrief: „Jetzt ist alles schon weg!“ Wir luden sie ein, mit in den Garten zu kommen. So haben wir frisches Gemüse geerntet und kamen ins Gespräch. Wenn wir uns jetzt begegnen, ist eine lebendigere Beziehung spürbar.
Beim Einkauf drückte eine junge Frau uns eine Schokolade in die Hand: „Toll, was Sie da machen!“ Und sie schwärmte von einer gefüllten Zucchini, die sie zubereitet hatte.
So sind auch wir beschenkt und das „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden“ hat sich bewahrheitet.
W. und N.B.
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, November 2012)
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