21. März 2013

Jetzt ist die Zeit!

Von nst1

Die „Fastenzeit“ ist schon angebrochen. Eine Zeit, sich auf Ostern vorzubereiten; eine Zeit, bewusst zu leben. Anregungen dazu finden sich in Kurzimpulsen für jeden Tag im „Anti-Stress- Fastenkalender“ 1).

Notwendig

Es gibt Dinge, die können wir uns nicht ersparen: den Zahnarztbesuch, das Überbringen einer Nachricht. Das lässt sich aufschieben, aber nicht umgehen. Und doch finden wir immer wieder Mechanismen, uns vor Unangenehmem möglichst lange zu drücken. Vermeintlich schafft das Freiraum; wir bilden uns ein, dadurch ginge es uns besser. Doch in Wahrheit verschiebt es das Unumgängliche nur auf einen späteren Zeitpunkt und erzeugt dadurch letztlich nur noch länger und noch mehr Stress.
Wir entschleunigen uns, wenn wir Wichtiges angehen. Verzicht ist gefragt: der Verzicht darauf, uns durch ein „Zuviel“ abzulenken.
Geben wir uns die Chance, Notwendiges zu erledigen, und warten wir nicht, bis der Druck so groß geworden ist, dass wir – fremd gesteuert – gar nicht mehr anders können.
JETZT IST DIE ZEIT, das Notwendige zu tun.

Fehlermeldung

Fehlermeldungen tauchen immer gerade dann auf, wenn es unangenehm ist und absolut nicht passt: Störungen im Computer, Anzeichen von irgendwelchen Fehlern in der Prüfung, bei der Arbeit oder beim Heimwerken. Gerade dann, wenn man alles besonders gut machen möchte. Gerade dann, wenn einem die Zeit davonläuft. Gerade dann, wenn wir jemanden von uns überzeugen wollen.
Heute lassen wir uns von den „Fehlermeldungen“ nicht stressen. Ja, es gibt sie. Wo Menschen aktiv sind, passieren Fehler. Aber wir sind mehr als die Summe unserer Fehler.
Heute können wir unsere und die Fehler anderer sehen und dabei gelassen bleiben.
Heute lassen wir uns von unseren Fehlern nicht die Laune verderben.
JETZT IST DIE ZEIT, über einen Fehler zu lächeln.

Körpersprache

Menschen kommunizieren nicht nur mit Wörtern, nicht nur über Sprache, E-Mail oder Facebook. Wir teilen uns auch über unsere Körpersprache mit. Bewusst oder unbewusst transportieren wir mit Gesten oder Mimik unsere Gefühle und aktuellen Launen. Manchmal lesen wir aber in den Gesichtern unserer Mitmenschen etwas anderes, als diese meinen. Wenn unser Gegenüber scheinbar ernst schaut, ist er vielleicht nur müde. Wenn jemand lacht, denken wir, er lache über uns; in Wahrheit freut er sich aber über eine frohe Botschaft.
Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die die Gesichtsausdrücke anderer zu den eigenen Ungunsten interpretieren. Das stresst! Heute lassen wir uns nicht von Interpretationen stressen. Wir sind nicht so wichtig, dass sich alles nur um uns dreht. Heute schauen wir wohlwollend in die Gesichter anderer. Wir glauben an ihre Freundlichkeit und ihr Wohlwollen. Heute schauen wir auch andere Menschen mit einem Lächeln im Gesicht an.
JETZT IST DIE ZEIT, das Gute im anderen zu sehen.

Karfreitag – AUSNAHMEZUSTAND

Der Tod Jesu war in der Erwartung der Jünger nicht vorgesehen. Seine Ankündigungen hatten sie verdrängt. In letzter Minute rechneten sie noch mit einem Wunder. Doch die Realität hat sie eingeholt, und die Realität des Karfreitags ist der Ausnahmezustand.
Auch für uns Heutige ist dieser Tag – viel banaler – eine Ausnahmeerscheinung. Ein merkwürdiger „Feier“-Tag. Für die einen ist der Kirchgang heute selbstverständlich, andere freuen sich über den nach vorn verlängerten Osterurlaub. Viele langweilen sich. Geschäfte zu, Disco zu, nix zu feiern …
Es hilft, sich diesem Tag auszusetzen. Der Stille. Dem Fremden und Fernen. Lassen wir uns von diesem Tag treiben. Vielleicht auf einen Friedhof. Vielleicht auf einen langen Spaziergang. In die Karfreitagsliturgie.
Verzichten wir darauf, diesen Tag mit Inhalten aufzuladen und zu überladen. Es ist offen, was dieser große Ausnahmetag mit uns vorhat.
JETZT IST DIE ZEIT, der Stimmung dieses Tages eine Chance zu geben.

Karsamstag – STILLSCHWEIGEN

Was für eine Doppelung: Stille und Schweigen. Beides bedingt sich. Wenn wir schweigen, ist es still. Doch manchmal werden wir erst ruhig, wenn es still ist um uns herum. Im Trubel der vielen Töne und Stimmen geben wir so schnell auch noch „unseren Senf“ dazu.
Der Karsamstag ist der Tag der großen Stille zwischen Karfreitag und Ostern, zwischen Kreuzigung und Auferstehung. So wie nach vielen Gottesdiensten in den Kirchen jetzt nichts passiert, so war auch für die Menschen im Umfeld Jesu … nichts: Jesus tot im Grab, der Stein davor. Dichtgemacht. Auch die Erwartungen. Es gab keinen Plan B, die Auferstehung war nicht vorgesehen.
Vielleicht braucht Wandlung die Momente der Ruhe, der Muße, des Schweigens, der Stille. Nutzen wir so diesen Tag. Knallen wir ihn nicht zu sehr mit Ostervorbereitungen zu. Kommen wir in der Stille des Grabes ins eigene Schweigen, das Wandlung ermöglicht. Verzichten wir auf die eigene Lautstärke und Beschallung.
JETZT IST DIE ZEIT, stille Momente wirken zu lassen.

Ostern – BILDERFLUT

Täglich erreichen uns unzählige Bilder. Werbung. Gesichter. Banales. Kunst. Vorbeirauschendes. Bilder aus den Medien. Die Kunst unseres Gehirns besteht darin, das meiste zu vergessen, damit wir nicht in der Bilderflut untergehen.
Mit den Bildern und Symbolen der Feiertage ist es ähnlich. Wir dekorieren die Wohnung, holen Vertrautes aus den Kisten der Tradition oder probieren neue Gestaltungstrends aus. Kaum ist das Fest herum, verschwinden Osternester und -hasen wieder. Bis zum nächsten Jahr.
Es gilt, das wesentliche Bild nicht wegzupacken. Jesus ist auferstanden. Er lebt. Auch im Handeln der Menschen, die sich nach seinem Vorbild für Gerechtigkeit und Frieden engagieren. Auch da, wo wir Hungernde sättigen und Verfolgte beschützen.
Wir dürfen vieles wegpacken. Doch die Botschaft der Osternacht gilt jeden Tag. Ostern bleibt.
JETZT IST DIE ZEIT, aus der Osterfreude zu leben.

1) Leitschuh, Marcus C. / Held, Kerstin: Anti-Stress-Fastenkalender, Verlag Neue Stadt 2013

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, März 2013 )
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