Venezianische Freundschaft (Io Sono Li) und Only lovers left alive
Zwei neue Kinofilme
Venezianische Freundschaft (Io Sono Li)
von Andrea Segre
Die chinesische Migrantin Shun Li arbeitet klaglos für dubiose Schieberbanden, um endlich ihren kleinen Sohn nach Italien zu holen. Eine ihrer Arbeitsstationen führt sie in ein Dorf bei Venedig, wo sie in einer Osteria als Kellnerin bedienen soll. Dort freundet sie sich mit dem einfühlsamen alten Fischer Bepi an. Das ungleiche Paar verbindet zunächst die Liebe zur Poesie, doch in ihrer schicksalhaft kurzen Beziehung werden den beiden nicht nur Gedichte, sondern der je andere zur Heimat.
Mit betörender Behutsamkeit nähert sich Andrea Segre in seinem Debütfilm den Figuren und entfaltet in authentischen Bildern ihr Innenleben. Trotz Fokussierung auf die beiden Protagonisten gelingt Segre zugleich die Vermessung der Welten, für die sie stehen.
Markus Thiel
Start: D 5.12.
Only lovers left alive
von Jim Jarmusch
Der Musiker Adam und die schöne Eve sind seit mehreren hundert Jahren ein Liebespaar – und Vampire, die ihren Bluthunger aus Laborkonserven stillen. Sie besitzen ein unerschöpfliches Wissen und eine besondere Liebe zu Botanik, Kunst, Musik, Philosophie und Literatur. Als gute Vampire im Retrostil sind die beiden Ikonen vergangener Jahrhunderte und stehen für erloschene Ideale: Liebe, Treue, Feinsinnigkeit, Musikalität, Kreativität, Schöpfergeist, Wissen.
Arthouse-Regisseur Jim Jarmusch verbindet den Vampir-Mythos mit einer romantischen Liebesgeschichte. Nach dem Film mit wunderbar exzentrischen Stimmungen und besonderer Musik fühlt man sich im 21. Jahrhundert wie in einer entrückten, futuristisch entleerten Welt und wünscht sich ins 20. Jahrhundert zurück.
Sophia von Waechter
Start: CH 19.12., D 25.12., A 26.12.
Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Dezember 2013)
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