16. April 2015

Bei ihm kann ich alles abladen.

Von nst1

Erfahrungsberichte

Bei ihm kann ich alles abladen.

Manchmal würde ich gerne einem Politiker, Staatsoberhaupt, einem Konzernchef, Bischof oder sonst einem Entscheidungsträger etwas sagen – aber an diese Leute kommt man als einfacher Bürger nicht dran, zu viele Hürden. Dann fällt mir einer ein, der gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Matthäus 11,28) Oder: „Bittet und ihr werdet empfangen …“ (Johannes 16,24) Bei Gott kann ich jederzeit eine „Audienz“ erhalten ohne Voranmeldung ohne Passkontrollen und sonstige Hürden. Er ist einfach da, zugänglich für alle und jederzeit. Bei ihm kann ich alles abladen und ich darf sicher sein, dass es dort in guten Händen ist.
So hatte ich beispielsweise vor einigen Tagen einen so proppenvollen Tag mit vielen – eigentlich zu vielen – Terminen bis spät abends. Am Abend vorher konnte ich deswegen schon gar nicht richtig einschlafen und so sagte ich zu Jesus: „Du weißt, was für ein voller Tag mir bevorsteht; hilf mir, das Wichtige von dem weniger Wichtigen zu unterscheiden.“ Und ich bat um den Segen für die Begegnungen. Sofort wich die innere Unruhe und ich konnte einschlafen.
Am nächsten Tag hatte sich durch vorausschauendes Denken eines anderen ein Termin schon erledigt; einem anderen konnte ich sogar mehr Zeit als vorgesehen widmen; dann kam kurz noch etwas Unvorhergesehenes dazwischen und doch hatte ich dann sogar noch einen freien Abend. – Ein richtiges Geschenk für mich! Und die „Bestätigung“: Auf ihn darf ich vertrauen! Das gelingt mir  nicht immer, aber ich „übe“ – immer und immer wieder. Ich finde, da haben wir als Christen doch einen riesengroßen Schatz und das macht mich sehr froh.
T.S.

Ich hatte eine lange Pendenzenliste.

Da am Montag die Schule wieder beginnen würde und ich noch nicht groß vorbereitet war, nahm ich mir samstags vor, den Tag in der Schule zu verbringen. Mit einer langen Pendenzenliste fuhr ich hin. Im Bus überlegte ich mir, mit welcher Arbeit ich beginnen würde; da fiel mir ein, was ich mir für diesen Tag als Motto gewählt hatte: „die Beziehungen in Ordnung bringen“. Dankbar bat ich Gott, er solle mich leiten, damit ich mich nicht von meinem Programm zu sehr in Beschlag nehmen ließ und so die Beziehungen im Vordergrund stehen konnten.
Voll mit kopieren beschäftigt, unterbrach mich ein Kollege, um mit mir seine Idee fürs neue Jahr durchzugehen. Es ergab sich ein interessantes pädagogisches Gespräch.
Später schaute ich kurz ins Nachbarschulzimmer, da die Türe offen stand. Die Kollegin war voll beschäftigt, ihr Programm fürs Bruchrechnen zusammenzustellen. Fröhlich wünschten wir uns gute Arbeit.
Als ich mich dann später endlich mit meinem Brot ins Lehrerzimmer setzte, erschien diese Kollegin und setzte sich zu mir. Bald erzählte sie mir, dass ihr eine schwere Krankheit diagnostiziert worden war und sie jetzt starke Medikamente nehmen müsse, die ihr Wohlbefinden sehr beeinträchtigen. Weil wir beide in 6. Klassen unterrichten – der letzten vor dem Übertritt in die Sekundarstufe bei uns in der Schweiz – stand uns eine sehr intensive Zeit bevor. Deshalb versicherte ich der Kollegin meine Unterstützung und dass wir uns gegenseitig helfen, diese Wochen gut zu überstehen.
Nach dem Gespräch war es Zeit, nach Hause zurückzugehen. Und auch wenn nur die Hälfte der Pendenzen abgearbeitet war, hatte ich den Eindruck, Gott hätte die Grundlage gelegt fürs neue Quartal.
E.R.

An der Suppe roch er nur.

Als ich gerade meinen Mittagsschlaf machen wollte, rief mich unsere Köchin und sagte, ein Pilger sei an unsere Klosterpforte gekommen. Ich ging zu ihm hinunter. Er hatte lange Haare, einen langen Bart und einen riesigen Rucksack und machte auf mich keinen besonders vertrauenserweckenden Eindruck. Er fragte: „Was machen sie hier, wenn Pilger kommen?“ Ich sagte zu ihm: „Wir sind hier keine Pilgerstation. Wie kommen sie denn zu uns?“ Jesus habe ihn hierher geführt, meinte er. Am liebsten hätte ich ihn fortgeschickt.
Aber ich spürte auch den Impuls aus dem Lebenswort 1), ihn einfach so anzunehmen, wie er ist. Er folge immer der Stimme Jesu, meinte er. Dann fragte er, ob er duschen könne und nachher etwas zu essen bekomme. Ich zeigte ihm unsere Dusche und beriet mich mit der Köchin, was wir ihm anbieten könnten. Er esse kein Fleisch, hatte er gesagt. Wir entschieden uns für eine leckere Flädlesuppe. Als er kam, roch er nur an der Suppe und sagte, die sei sicher mit Fleischbrühe gekocht. Die könne er nicht essen. Dann aß er zwei Käsebrote.
Weil es in den letzten Tagen sehr kalt war, fragte er nach einem wollenen Unterhemd. Ich fand aber nur eines aus Baumwolle. Das nahm er dann auch. „Wohin gehen sie jetzt?“, fragte ich ihn. „Dahin, wo Gott mich hinführt“, meinte er. So zog er weiter. Es hatte mich gekostet und war mir nicht ganz gelungen – aber trotzdem war ich nachher froh, dass ich zumindest versucht hatte, ihn zu lieben, wie er war.
W.A.

1) Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes. (Römer 15,7)

 

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, April 2015)
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