Humanitäre Korridore
Italien: erste sichere Fluchtwege nach Europa
Erstmals ermöglicht eine ökumenische Initiative Flüchtlingen aus Syrien und nordafrikanischen Ländern eine sichere und legale Einreise nach Italien. Innerhalb von zwei Jahren sollen 1 000 besonders schutzbedürftige Menschen ins Land kommen. Die ersten 93 syrischen Verletzten, kinderreiche Kriegswitwen und Familien mit kranken Kindern aus libanesischen Flüchtlingscamps sind bereits Ende Februar, weitere 150 im April eingetroffen. Vorangetrieben haben die humanitären Korridore die Hilfsorganisation „Mediterranean Hope” vom Verband der Evangelischen Kirchen in Italien (FCEI), die italienischen Waldenser und die katholische Gemeinschaft Sant’Egidio in Zusammenarbeit mit dem Innen- und dem Außenministerium Italiens. Die kirchlichen Organisationen betreuen die Flüchtlinge, helfen bei der Eingliederung und tragen Transport, Unterkunft und Rechtshilfe auch finanziell.
Das Projekt zielt vor allem auf Frauen, die mit Kindern allein auf der Flucht sind, potenzielle Opfer von Menschenhandel, behinderte, schwerkranke, alte und von den Vereinten Nationen als Flüchtlinge anerkannte Personen. Um die riskante Bootsfahrt mit Schleppern zu umgehen, stellt Italien ihnen schon im Libanon, in Marokko und Äthiopien Visa „aus humanitären Gründen“ aus. Das spendenfinanzierte Programm soll 20 Euro pro Flüchtling und Tag kosten.
„Die humanitären Korridore wurden auf der Grundlage einiger Artikel der europäischen Verordnung erarbeitet, die eine Ausstellung von humanitären Visa ermöglichen”, schreibt Sant’Egidio auf seiner Homepage. Die Initiatoren hoffen, dass das Modell in anderen europäischen Ländern Nachahmer findet.
beh
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai 2016)
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