“Lenas Klasse” und “Nur Fliegen ist schöner”

Zwei neue Kinofilme

Lenas Klasse
von Iwan I. Twerdowski
Der dokumentarisch ausgerichtete Film zeigt die raue Welt der ausgegrenzten Sonderklassenschüler in Russland. Lehrer kommandieren und die Schule mutet eher einem Gefängnis an. Für Lena, 16, die im Rollstuhl sitzt, gibt es nach mehreren Jahren Heimunterricht viele, nicht nur  bauliche Barrieren zu überwinden. Doch Anton holt Lena zu Hause ab und trägt sie die Treppen hoch. Sehr zart erblüht zwischen beiden das Pflänzchen einer ersten Liebe. Aber das Umfeld von Eltern, Lehrern und Mitschülern ist brutal zerstörerisch. Am Ende wird Lena sogar von ihren Mitschülern vergewaltigt.
Ein Film, der zwar viele Preise erhielt, aber durch seine Gewalt verstört. Nur für sehr starke Nerven und nicht – wie nach Filmfreigabe – für Kinder ab 12 Jahren geeignet.
Sophia von Waechter
Start: D 28.4.

Nur Fliegen ist schöner
von Bruno Podalydès
Michel ist 50 Jahre alt, als er merkt, dass ihm eine kleine Auszeit von Alltag, Familie und Job gut tut. Die Gelegenheit bietet sich, als er im Internet zufällig auf ein Kajak stößt und beschließt, dieses zu kaufen. Obwohl seine große Liebe eigentlich dem Fliegen gilt, ermutigt ihn seine Frau, für eine einwöchige Kajakfahrt in See zu stechen. Als er wenig später auf die geheimnisvolle Laetitia und ihr kleines Café stößt, entwickelt sich seine Auszeit jedoch in eine andere Richtung.
Der Film lebt von seinen wunderbar harmonisierenden Darstellern und starker Inszenierung. Gesellschaftskritisch, romantisch und überwiegend herrlich amüsant, dürfte der Film nicht nur Liebhabern des französischen Kinos gefallen.
Martin Parlasca
Start: CH: angelaufen; D 19.5.; A 20.5.

 

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai 2016)
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