7. April 2026

Raumerfahrungen

Von nst5

Zufrieden in einer verrückten Welt:

So ist die “Nahaufnahme” über Elli von der Heide überschrieben. Ja, in unserer Welt scheint so einiges „ver-rückt“, durcheinander, nicht an seinem Platz. Davon ist auch in dieser Ausgabe die Rede. Etwa wenn Beatriz Lauenroth den Kriegsalltag der Menschen in der Ukraine beschreibt. Oder wenn wir in den Beiträgen zum Schwerpunktthema genauer hinschauen, wie sich das Verhältnis von Wahrheit und Lüge, von Fakten und Desinformation rasend schnell verändert. Auch „Geberkonferenzen“ sind ein Indiz dafür, dass nicht alles in Ordnung ist. Da kann durchaus die Frage aufkommen: „Darf ich da glücklich sein?“.
Auch Elli von der Heide sieht in ihrem Beruf nicht nur Positives. Trotzdem bleibt sie auf der Suche danach – wie nach einem kleinen Funken, den es zu entfachen und zu hüten gilt. Trotz der Herausforderungen ihres Alltags strahlt sie Gelassenheit und Freude am Leben aus. Ihre Beziehung zu Gott ist ihr Fundament: „Wenn ich ihn nicht spüre, kommt alles ins Wanken.“ Ein Signal dafür, dass sie wieder Raum schaffen muss, um diese Basis zu stärken.

Titelbild: (c) -strizh- (iStock)

Für Beatriz Lauenroth waren die Begegnungen mit den Menschen, die ihren Weg in der Ukraine kreuzten, ein Geschenk. Sie sagt es nicht ausdrücklich, aber ich meine, man kann es herauslesen: In diesen Begegnungen hat sie mitten im Krieg kleine Inseln entdeckt, Räume, wo Menschen einander helfen, sich Mut machen und stärken, Kraft tanken.
Um Räume geht es auch in der „Architektur im Dialog“. Den Architektinnen und Architekten, die sich in dieser Gruppe austauschen, liegt daran, dass ihre Bauten Ausdruck ihres Dialogs mit den Menschen sind; so schaffen sie Räume. Wie etwa jene Kapelle, die man nicht durch eine Tür betritt, sondern durch eine aufgebrochene Wunde. Dieser Durchgang führt in den Innenraum – den Ort der Begegnung, der Vertiefung – und von dort dann wieder hinaus – in die Welt, den Alltag.
Im Kommentar zum „Wort des Lebens“ schreibt Tobias Häner von starken verwandelnden Gotteserfahrungen, die wir heute – so meint er – typischerweise im Kontext gelebter gegenseitiger Liebe machen. Dadurch könnten wir erfahren, dass der Auferstandene in uns lebt und dass wir so vom Tod zum Leben übergehen. Noch eine Raumerfahrung.
Könnte die Vorbereitung auf Ostern nicht darin bestehen, solche Raumerfahrungen zu machen? Inseln zu schaffen, wo Begegnung, Miteinander, Zuwendung möglich wird und manches  wieder neu seinen Platz finden kann? Möglicherweise strahlen dann auch wir Gelassenheit und Freude aus, Zufriedenheit.

Ihre
Gabi Ballweg

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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, März/April 2026.
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