8. April 2026

Jede Meile für den Frieden

Von nst5

Offener Brief an Bhikkhu Paññākāra

Foto: (c) facebook.com/walkforpeaceusa

Ehrwürdiger Bhikkhu Paññākāra!

Herzlichen Glückwunsch: Sie haben Ihr Ziel erreicht! Über 100 Tage lang täglich rund 20 Meilen zu gehen – damit haben Sie und Ihre Gefährten große körperliche Strapazen auf sich genommen. Von bitterer Kälte und Schneestürmen haben Sie sich nicht aufhalten lassen. Drei Wochen nach Tour-Beginn hat ein Lastwagen Ihr Begleitfahrzeug gerammt. Bei dem Unfall wurden zwei Mönche verletzt, einem musste ein Unterschenkel amputiert werden. Dennoch ließen sie nicht von Ihrem Vorhaben ab.
Wohin Ihre Füße Sie trugen, sind Sie mit Demut aufgetreten. Ihre Botschaft haben Sie über weite Strecken schweigend vermittelt. Sie sind durch zehn Bundesstaaten gezogen, um Frieden, Harmonie, Achtsamkeit, Mitgefühl und liebevolle Güte zu zeigen und ein neues Bewusstsein für diese Werte zu wecken. Ein Zeugnis, das viele der durch Hassbotschaften, Gewalt, Polarisierung und gesellschaftliche Spaltung erschütterten US-Bürgerinnen und -Bürger zutiefst berührt hat. So sehr, dass gegen Ende Ihres Marsches Tausende die Straßenränder säumten. Sie in Ihren orangefarbenen Gewändern bei Wind und Wetter durch das Land ziehen zu sehen, hat nicht wenige zu Tränen gerührt. Männer und Frauen, Alte und Junge, Arme und Reiche unterschiedlicher Couleur haben Ihnen Blumen überreicht, Getränke und Lebensmittel gebracht, zugewunken, sich vor Ihnen verneigt oder niedergekniet, handgeschriebene Plakate hochgehalten, um Ihnen gute Wünsche und aufmunternde Worte als Zeichen der Wertschätzung und Unterstützung mit auf den Weg zu geben. Polizeimannschaften eskortierten Sie, Sheriffs steckten Ihnen Abzeichen an, Kinder überreichten Ihnen selbstgemalte Bilder. Viele Menschen schlossen sich Ihrem Marsch für ein paar Meilen an.
Sie haben Friedensbänder verteilt, die Schutz und Segen bringen sollen, in der Mittagspause und am Abend Friedens-Vorträge gehalten, buddhistische Weisheiten weitergegeben und – wo gewünscht – Gespräche geführt, Sorgen angehört, Trost gespendet, Mut zugesprochen. In einigen Städten versammelten sich 10 000 Menschen in Baseballstadien, um Ihren Aufruf zu hören, weder Materialismus und Gier noch Wut oder Hass zu verfallen.
Sie haben Ihr äußeres Ziel wie geplant erreicht: Washington, die Hauptstadt der USA. Dort haben Sie den Kongress dazu aufgerufen, Wesak, das wichtigste Fest der Buddhisten, an dem sie zugleich Geburt und Erleuchtung Buddhas begehen, als nationalen Feiertag anzuerkennen. Sie haben aber auch Ihr inneres Ziel erreicht: die Herzen der Menschen. Zwar hat sich mancher durch Ihre gewaltlose Präsenz provoziert gefühlt und Sie unterwegs durch eine aggressive Fahrweise bedroht und einzuschüchtern versucht. Den meisten Menschen in den USA aber haben Sie Mut und Hoffnung vermittelt. Sie haben ihnen geholfen, wieder an ein friedliches Miteinander zu glauben. „Sie haben uns Heilung gebracht“, schrieben einige Zaungäste dankbar auf ihre Schilder am Wegesrand.
Mit Ihrem Einsatz und Ihrer Präsenz haben Sie starke Zeichen gesetzt, für die wir Ihnen Dank und Hochachtung entgegenbringen: Möge Ihr „Walk for Peace“ Früchte tragen und noch lange nachwirken!

Mit freundlichen Grüßen
Clemens Behr, Redaktion NEUE STADT

Foto: (c) facebook.com/walkforpeaceusa

Bhikkhu Paññākāra,
44, hat eine Gruppe von zwanzig buddhistischen Mönchen der vietnamesischen Theravada-Tradition auf ihrem „Walk for Peace“, einem Marsch für den Frieden, quer durch die USA angeführt. Sie sind am 26. Oktober 2025 von ihrem Zentrum in Fort Worth/Texas gestartet und haben in 108 Tagen mit Tagesetappen von rund 32 Kilometern bis zu ihrer Ankunft in Washington am 10. Februar 2300 Meilen (3700 km) zu Fuß zurückgelegt.
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, März/April 2026.
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