Nicht nur Unterhaltung

Von Comic bis Retro – aus dem riesigen Fundus der TV-Serien

Die digitale Bildproduktion kann kostengünstig fantastische Welten und Effekte erzeugen. Davon profitieren auch Serien, und eine Reihe von Comicfiguren wurde exklusiv als Serie verfilmt. Dazu gehört auch „The Flash“. Der junge Forensiker Barry Allen verlor als Kind seine Mutter. Sein Vater wird beschuldigt, sie ermordet zu haben. Barry ist von seiner Unschuld überzeugt und will herausfinden, wer sie getötet hat. Als ein Teilchenbeschleuniger in Central City explodiert, stellt Barry fest, dass er sich unglaublich schnell bewegen kann. Zusammen mit seinen Freunden bekämpft er fortan das Böse in der Stadt. The Flash ist eine der ältesten amerikanischen Superhelden-Comic-Figuren und die Verfilmung äußerst gelungen: Sympathische Darsteller, rasante Erzählung und tolle Effekte unterhalten bestens. Dazu werden Themen wie Schicksal, die Bedeutung von Familie und Freundschaft sowie Mut und Prinzipien emotional, aber nicht pathetisch verhandelt.

Ganz ohne Spezialeffekte kommt die schwedische Science-Fiction-Produktion „Real Humans – Echte Menschen“ aus. In überwiegend blassen Farben erzählt sie von sogenannten HUBOTs (Human Robots), die in naher Zukunft so selbstverständlich zum Haushalt gehören wie heute ein Auto. Äußerlich sind sie von Menschen nicht zu unterscheiden, nur ihr Verhalten ist etwas hölzern. Als elektronische Sklaven erledigen sie klaglos jede Aufgabe zur Zufriedenheit der Menschen und die brauchen kein moralisches Problem damit zu haben. Einige HUBOTs entwickeln aber Gefühle und einen eigenen Willen; plötzlich gerät die schöne neue Welt aus den Fugen. Unprätentiös und doch eindringlich gelingt spannende Unterhaltung; zugleich stellt die Serie grundsätzliche Fragen: Was macht den Menschen zum Menschen? Wie könnte unser Verhältnis zu Maschinen aussehen, die scheinbar genauso sind wie wir? Wie verändert das die Beziehungen der Menschen untereinander? Angesichts der rasanten Entwicklung künstlicher Intelligenz kann man über solche Fragen ins Nachdenken kommen; die preisgekrönte Serie gibt Denkanstöße.

Seit Kurzem erfahren die ästhetisch verirrten achtziger Jahre eine stilistische Renaissance. Auch die Brüder Duffer scheinen an dieser Dekade einen Narren gefressen zu haben und legen mit „Stranger Thingseine Mystery-Serie der besonderen Art vor: Der elfjährige Will Byers verschwindet spurlos und seine verzweifelte Mutter (hervorragend: Winona Ryder) verliert bei ihrer Suche beinahe den Verstand. Auch seine drei besten Freunde wollen ihn wiederfinden und glauben an eine Entführung. Als sie auf ein geheimnisvolles Mädchen mit rasiertem Kopf und einer tätowierten „11“ auf dem Arm stoßen, bekommt ihre Suche eine Wendung. Scheinbar steckt hinter allem eine streng geheime Regierungsorganisation. Die zum Teil sehr unheimliche Hommage an die Achtziger erinnert an die frühen Filme von Steven Spielberg und zitiert diese auch zum Teil. Für alle, die in dieser Zeit aufgewachsen sind, ist die Serie eine musikalische und visuelle Zeitreise. Für die größtenteils jüngeren Serien-Fans einfach Kult.
Markus Thiel

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Oktober 2016)
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