PASSIERT
Aus dem Leben mit dem Wort
Beim Einkaufen sah ich, wie eine Frau in der Gemüseabteilung auf nahezu jedem Gemüse herumdrückte. „Wie kann sie nur so mit dem Gemüse umgehen?“, war mein erster scharfer Gedanke und ich bemerkte, dass ich urteilte. Um das zu überwinden, bemühte ich mich um eine unverbindliche und doch klare Ansprache: „Es ist gar nicht so einfach, gutes Gemüse zu finden.“ Sie schaute mich an und wir begannen ein Gespräch. Am Ende sagte sie zu mir: „Ach, es ist so selten, so schöne Begegnungen zu haben!“ Das hat mich gefreut, denn mir war es gelungen, sie auch von einer anderen Seite kennenzulernen.
H.H.
Ein über 90-jähriger Mann unserer Pfarrei hatte zufällig erfahren, dass ich der Fokolar-Bewegung angehöre. Er ereiferte sich und sagte mir alles Schlechte, das er darüber gehört hatte. Wir seien diejenigen, die viel reden und nichts machen. Das hat mich sehr verletzt. Aber ich nahm mir vor, ihm mit noch mit größerer Aufmerksamkeit zu begegnen. Ich wusste, dass er jeweils nach der Messe das Grab seines Sohnes besuchte. So sagte ich ihm, er solle ihm einen lieben Gruß von mir ausrichten. Immer wieder gab es dann kurze Begegnungen; ich versuchte ihm offen und zugewandt zu begegnen. Als ich nach einiger Zeit in unserer Pfarrei einlud, sich gemeinsam den Fernsehfilm über Chiara Lubich anzuschauen, kam er auch. Ich war überrascht. Am Ende kam er zu mir, fast zu Tränen gerührt, und dankte mir sehr, dass er diesen Film sehen durfte. Es lohnt sich, am Ball zu bleiben.
H.H.
Ich hatte gerade meinen Einkauf bezahlt und packte alles in eine große Box. Da bemerkte ich hinter mir eine gewisse Unruhe. Ich schaute mich um und sah zwei Kassiererinnen miteinander diskutieren. Ein junger Handwerker stand in seiner Arbeitskleidung daneben. Etwas hatte mit seiner Kartenzahlung nicht funktioniert. Ich fragte nach, wie viel ihm fehle. Es waren acht Euro. Sofort gab ich ihm zehn und sagte mit einem Lächeln: „Damit ist die Kuh vom Eis!“ – „Aber ich werde Ihnen das auf jeden Fall zurücküberweisen!“ – „Schon gut! Ist ein Geschenk des Himmels! Und das ist immer gratis!“ Dann packte ich weiter an meiner Box. Kurz danach kam der junge Mann. „Das ist so außergewöhnlich, was Sie machen. Ich bin ganz gerührt. Ich habe so etwas noch nie erlebt! Aber ich möchte Ihnen das Geld wiedergeben.“ Da schaute ich ihn an und sagte: „Wissen Sie, geben Sie das Geld irgendwann irgendjemand, der es braucht. Wer das sein wird, können wir beide noch nicht wissen. Dann beginnt ein Prozess des Gebens, der vielleicht nie wieder aufhören wird.“ – „Oh, das ist eine tolle Idee. Dabei mache ich gerne mit.“ So verabschiedeten wir uns.
M.W.
„Wann ist Jesus auch heute noch bei uns?“ Mit dieser Frage beschäftigten sich die Kinder im dritten Schuljahr im Religionsunterricht. Sie fanden viele Beispiele aus ihrem Leben und arbeiteten motiviert und interessiert mit. Nach der Pause auf dem Schulhof erzählte ein Kind mit strahlenden Augen: „Jesus war gerade bei uns!“ Sie hatten ein Spiel gesucht, das ein Kind mitgebracht hatte und das verloren gegangen war. Die ganze Klasse tröstete die Klassenkameradin und half ihr, es zu finden. Alle freuten sich dann über den Erfolg: „Wenn wir zusammenhalten und uns bei Problemen nicht allein lassen, ist Jesus da.“
A.K.
Wegen einer Erbschaftsangelegenheit war es still geworden zwischen meiner Mutter und ihrer Schwester. Sie hatten sich schon lange nicht mehr gesehen, und die Kluft wurde immer größer, zumal wir in der Stadt lebten und die Tante in einem ziemlich weit entfernten Bergdorf. Dieser Zustand dauerte bis zu dem Tag, an dem ich hörte: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar zu bringst und dir einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann geh zuerst hin, um dich zu versöhnen; dann komm zurück und bringe deine Gabe.“ Auf der Suche nach dem richtigen Moment sprach ich das Thema mit meiner Mutter an und schaffte es, sie zu überreden, mich zu meiner Tante zu begleiten. Während der Fahrt schwiegen wir und ich betete still, dass alles gut gehen möge. Und tatsächlich: Die Tante war von unserem Besuch so überrascht, dass sie uns mit offenen Armen empfing. Das Eis war gebrochen – es brauchte nur den ersten Schritt.
A.G.

In der Firma suchten wir jemanden für die Reinigung der Räume. Während meiner Arbeitszeit muss ich viel telefonieren, und wann immer ich kann, nutze ich die Gelegenheit, dabei spazierenzugehen, damit ich etwas Zeit draußen verbringen kann. Eines Tages sprach ich ein paar Straßen von unserem Gebäude einen älteren Herrn an, der gerade seinen Rasen mähte. Ich stellte mich vor und sagte ihm, dass wir jemanden für die Putzarbeiten suchten. Nach einem kurzen Gespräch schlug er vor, dass sein Sohn diese Aufgaben übernehmen könne. „Okay. Sagen Sie ihm, er soll morgen kommen.“ Dann erklärte er mir, dass der an Multipler Sklerose leidet. „Er soll morgen kommen”, wiederholte ich. Am nächsten Tag kam Mauro. Er erzählte mir, dass er einmal pro Woche ein Medikament bekäme und deshalb am Tag darauf sehr geschwächt sei. Die Behandlung fände nicht immer am selben Tag statt und deshalb hatte er keinen Arbeitsplatz gefunden. Inzwischen ist Mauro seit fünf Monaten bei uns. Er übernimmt nicht nur die Reinigungsarbeiten, sondern kümmert sich auch um den Garten und die Instandhaltung.
V.P.
Vor ein paar Monaten wurde bei mir Krebs diagnostiziert. Der Arzt empfahl, mit einer alternativen Behandlung zu beginnen und diese mit einer Strahlentherapie abzuschließen. Als ich am ersten Tag des Bestrahlungszyklus in die Praxis kam, saßen dort viele Patienten, die alle in sich versunken waren und kaum aufeinander achteten. Es war eine bedrückende Stimmung. Am zweiten Tag bat ich Gott um Kraft und begann, mit den Patienten zu sprechen, fragte, woher sie kamen und wie ihre Reise verlaufen war, da sie von verschiedenen Orten kamen. Im Lauf der Tage lernten wir einander kennen; es wurde sogar heiter. Bis zum Ende der Therapie gaben wir uns gegenseitig Spitznamen, inspiriert an berühmten Persönlichkeiten. An meinem letzten Tag brachte ich Süßigkeiten für alle mit; wir machten Fotos und verbündeten uns, „bis dass der Tod uns scheidet“. Als die Chefärztin mir den Arztbericht gab, dankte sie mir: „Wir werden Sie vermissen, Sie haben uns alle zum Lachen gebracht.“ Auf dem Weg nach draußen wurde ich von Applaus und Zurufen begleitet. Mir kamen die Tränen.
J.A.
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Juli/August 2025.
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