Eine einzelne Stimme
Feminismus
Bild oben: (c) Mindful Media (iStock)
Unbehagen an der katholischen Kirche
Der Vatikan hat eine Studie veröffentlicht, in der die Klärung der Frauenfrage in der katholischen Kirche als dringlich beschrieben wird. Die Studie war von Papst Franziskus in Auftrag gegeben worden. Das 74 Seiten umfassende Papier stellt fest, dass es ein „spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden“ gebe, insbesondere wenn man es vergleiche mit den Möglichkeiten im bürgerlichen Leben.
Dies gelte keineswegs nur für westliche Gesellschaften und habe dazu geführt, dass eine immer größere Zahl von Frauen sich nicht mehr damit identifizieren könne, katholisch zu sein. Wörtlich heißt es: „Eine wachsende Zahl von Frauen jeder Altersgruppe und in unterschiedlichen Teilen der Welt fühlen sich im Haus des Herrn nicht mehr zu Hause – bis hin zu dem Punkt, dass sie es vollständig verlassen.“
Die Studiengruppe empfiehlt daher, „anzuerkennen, dass die ‚Frauenfrage‘ ein Zeichen der Zeit ist in dem Sinne, dass der Heilige Geist dadurch spricht“. Deshalb sei auf allen Ebenen der Kirche eine veränderte Mentalität notwendig. „Die gegenwärtige Situation fordert die kirchliche Gemeinschaft heraus; sie muss sich entscheiden, ob sie zulässt, dass die gesellschaftliche Veränderung ihr widerfährt, oder ob sie proaktiv handeln will, um sich selbst zu verändern und damit der Veränderung eine umfassendere und reichhaltigere Bedeutung zu geben.“
Die Studiengruppe verzichtet darauf, konkrete Empfehlungen zu geben.
synod.va

Wohlergehen
Das Georgetown Institute for Women, Peace and Security erstellt alle zwei Jahre einen Index zu „Frieden und Sicherheit von Frauen“ (WSP-Index). In den drei Themenfeldern Einbindung, Gerechtigkeit und Sicherheit bewertet er anhand von 13 Indikatoren, wie es in 181 Ländern um das Wohlergehen von Frauen steht.
Einbindung: Bildung, finanzielle Eigenständigkeit, Beschäftigung, Handynutzung, parlamentarische Vertretung.
Gerechtigkeit: fehlende rechtliche Diskriminierung, Zugang zur Justiz, Müttersterblichkeit, Bevorzugung von Söhnen.
Sicherheit: Gewalt in Paarbeziehungen, Sicherheit in der Gemeinschaft, politische Gewalt gegen Frauen, räumliche Nähe zu Konflikten.
Je näher der Wert an 1 herankommt, desto besser die Situation. 2025/2026 führt Dänemark (0,939) die Liste an, während Afghanistan (0,279) am schlechtesten abschneidet. Österreich (0,898) landet auf Platz 9, die Schweiz (0,877) auf Platz 19 und Deutschland (0,869) auf Platz 21.
Werte und Ranking einiger weiterer Länder: Chile (0,739) Platz 63, China (0,685) Platz 89, Estland (0,896) Platz 11, Libanon (0,575) Platz 141, Madagascar (0,466) Platz 168, Neuseeland (0,898) Platz 9, USA (0,840) Platz 31.
Quelle: giwps.georgetown.edu
“Patriarchat”
Der Begriff setzt sich aus den altgriechischen Wörtern pater („Vater“) und arches („Oberhaupt“) zusammen und kann mit „Väterherrschaft“ übersetzt werden. Das Patriarchat bezeichnet ein Herrschaftssystem, in dem „das Männliche“ als das beherrschende Prinzip gilt und das die bevorzugte Stellung von Männern aufrechterhält. Patriarchale Denk- und Verhaltensmuster sind tief verwurzelt. Sie durchdringen alle Bereiche des Lebens – von der Erziehung über die Schule bis hin zu Arbeit, Familie und Privatleben.

Keiner von denen
„Ich bin einer von den guten Männern.“ Wirklich?
Wenn dein Kumpel einen sexistischen Witz macht:
Lachst du mit oder sagst du ihm, dass er nicht lustig ist?
Wenn eine Frau im Meeting vom Kollegen unterbrochen wird:
Sagst du, dass du gerne ihre Ausführungen zu Ende hören möchtest?
Wenn du Vater bist: „Hilfst“ du im Haushalt oder bei der
Kindererziehung oder übernimmst du Verantwortung?
Wenn eine Frau über Sexismus spricht: Hörst du zu oder
erklärst du ihr, warum er es sicher nicht so gemeint hat?
Wenn eine Frau nachts allein Angst hat: Nimmst du ihre Angst ernst
oder erklärst du ihr, dass sie nicht immer vom Schlimmsten ausgehen soll?
Wenn eine Frau eine Idee hat und ein Mann sie später wiederholt:
Sagst du, das hat sie vorher schon gesagt oder bist du einfach leise?
Wenn ein anderer Mann respektlos über Frauen spricht:
Sagst du etwas, auch wenn keine Frau im Raum ist?
„Ich bin ja keiner von denen.“ Die Frage ist nur:
Was tust du, wenn andere Männer es sind?
Sarah Ager
instagram.com/sarah__ager/
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Mai/Juni 2026.
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