Hotel zur Unabhängigkeit
Das INNdependence in Mainz betreiben Menschen mit Handicap.
Bevor sie ins Team des INNdependence in Mainz kamen, war ihr Leben oft geprägt von Einsamkeit. Austauschen konnten sie sich am besten mit anderen Behinderten. „Von den Menschen ohne Handicap trennte sie oft eine breite Kluft”, sagt Hotelmanager Alexander Tränkmann. Nun jedoch arbeiteten sie, seien gefordert und öffneten sich der Welt.
Für viele behinderte Menschen bleibt die Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen, ein Wunschtraum. Im Hotel „INNdependence” – von den englischen Wörtern für „Gasthaus” und „Unabhängigkeit” – bekommen sie genau diese Chance. Es ist einer der wenigen Gastbetriebe in Deutschland, der fast ausschließlich von Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung betrieben wird.
„Wir leisten hier Pionierarbeit”, sagt Hotelmanager Tränkmann. Und meint damit die tägliche Herausforderung, den Beschäftigten vor allem den sozialen Anschluss an die Gesellschaft zu ermöglichen. Tränkmann ist seit der Eröffnung des DreiSterne-Hotels vor zehn Jahren dabei. Die 16 Zimmer und der RestaurantBetrieb werden von ihm und 14 Mitarbeitern bewirtschaftet; zwölf haben eine nachgewiesene Behinderung von mindestens 50 Prozent, teilen sich acht Stellen und kommen so auf eine 30-Stunden-Woche. Die Bezahlung unterscheidet sich nicht vom branchenüblichen Verdienst.
Das Team ist stolz darauf, dass sein Hotel zu etwa 60 Prozent ausgelastet ist und in einer Bewertung von 49 Mainzer Hotels einen hervorragenden elften Platz belegte. „Wir sind auf einem guten Weg”, so der Manager. Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet kämen für eine oder mehrere Übernachtungen. Dass es sich beim INNdependence um einen Integrationsbetrieb handelt, spiele für die meisten von ihnen keine Rolle.
Allerdings erlebten Gäste mit eigener Behinderung im Haus tatsächlich ein Stück mehr Unabhängigkeit.
Die Zimmer, sanitären Anlagen und Gasträume sind barrierefrei und ganz auf die Bedürfnisse gehandicapter Menschen zugeschnitten. Die Angestellten wüssten aus eigenem Erleben, was die Gäste brauchen, was sie stören könnte, und womit sie sich am wohlsten fühlen. Natürlich habe man Arbeitsabläufe an die Möglichkeiten der Mitarbeiter angepasst, sagt der Hotelchef. Dennoch sollten die Gäste genau die Leistung erwarten können wie in jedem anderen Hotel auch.
Träger ist die Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen. Im INNdependence werden auch Jugendliche ausgebildet, die woanders wegen einer Behinderung, eines fehlenden Schulabschlusses oder sozialer Auffälligkeiten keine Lehrstelle bekommen. Eine sozialpädagogische Betreuung unterstützt Angestellte und Auszubildende bei Problemen und Fragen. Zusammen mit anderen integrativen Hotelbetrieben ist das INNdependence Mitglied im Verbund der Embrace Hotels. KNA/gba
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2011)
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