Das hatte mir gerade noch gefehlt!
Ich musste mich auf eine wichtige Geschichtsarbeit vorbereiten, …
… aber ich konnte mich einfach nicht konzentrieren. Es waren so viele Seiten und ich dachte, das würde ich nie schaffen. Zu allem Unglück kam auch noch eine SMS von einigen Freunden, die sich auf eine Mathematikarbeit vorbereiten mussten und mich um Hilfe baten. Das hatte mir gerade noch gefehlt! Ich wollte schon absagen, als mir einfiel, dass ich dabei war, eine ganz kostbare Gelegenheit zu verpassen, anderen zu helfen.
Ohne es zu merken, hatte ich meine Prioritäten vertauscht, auf einmal war ich an erster Stelle und nicht die anderen. Also klappte ich das Geschichtsbuch zu und machte mich auf den Weg zu meinen Freunden, die auf mich warteten. Bis spät am Abend erklärte ich ihnen die Mathematikaufgabe. Als ich nach Hause kam, war es viel zu spät, um noch zu lernen. Außerdem hatte ich keinen klaren Kopf mehr dafür. Wie sollte das morgen gehen? Vielleicht war ich ja auch leichtsinnig gewesen oder hatte mich gedrückt. Aber jetzt konnte ich es nicht mehr ändern. Ich vertraute alles Gott an. Am anderen Morgen baten verschiedene Mitschüler die Lehrerin, die Klassenarbeit zu verschieben. Offensichtlich war ich nicht der Einzige, der damit Schwierigkeiten hatte. Wider Erwarten stimmte die Lehrerin zu. Glück? Ich glaube nicht! Ich glaube, dass Gott mir zu Hilfe gekommen ist!
S.G.
Meine Angestellten wunderten sich!
Das Telefon klingelte. Am Apparat war unser schärfster Konkurrent. Er fragte nach, ob wir ihm eine größere Menge Zement zur Verfügung stellen könnten. Bei seinen Zulieferern hatte er keinen Kredit mehr.
Bedingt durch betriebliche Umstrukturierungen machten wir gerade selbst einen finanziellen Engpass durch. Die Situation war also nicht einfach, aber es war meine Gelegenheit, ein positives Zeichen zu setzen! Dieser Konkurrent hatte intensiv gegen mich gearbeitet und Kollegen gegenüber geäußert, dass er hätte verhindern müssen, dass ich mich auf dem Markt behaupten kann.
Unser Telefonat verlief in etwa so; ich sagte: „Mach dir keine Sorgen, am Montag hast du den Zement.“ – „Aber ich weiß nicht, ob ich gleich bezahlen kann.“ – „Das macht nichts, ruf mich an, wenn du bezahlen kannst.“ – „Wie hoch ist die Rechnung?“ – „Du bekommst den Zement zum Einkaufspreis.“ – „Aber so verdienst du nichts.“ – „Es macht sowieso keinen Sinn, dass ich hier etwas verdiene. Ihr werdet nie meine Kunden werden, aber jetzt habt ihr meine Hilfe nötig.“ Er bedankte sich bei mir, und damit war das Telefonat zu Ende.
Meine Angestellten wunderten sich, und ich musste ihnen lang und breit meine Beweggründe erklären; dass ich dankbar war, mit meinem Verhalten ein kleines Zeichen meiner Überzeugung auch in unserem wirtschaftlichen Umfeld setzen zu können. In jenem Monat haben wir einen Verkaufsrekord erzielt und trotz der allgemeinen Krise verkauften wir rund 30 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Unsere Reputation war durch mein Verhalten gestiegen und wir bekamen täglich neue gute Angebote, fast ohne sie zu suchen. „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden.“ – Ich denke, wenn andere Unternehmer das als Prinzip entdecken und danach handeln würden, würden sie genauso staunen wie meine Mitarbeiter.
G.J.
Ich war sauer!
Das Gespräch ging mir irgendwie nicht aus dem Sinn. Und ich war verärgert – über mein Gegenüber und über mich selbst. Es war zu keiner klaren Begegnung gekommen. Auch einige meiner eigenen Reaktionen verstand ich nicht richtig. Es rumorte in mir, und ich war unzufrieden. „Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht!” Dieses Wort Jesu ging mir immer wieder durch den Kopf. Aber welches Wort konnte mir Licht geben? Mir kam ein Psalmwort in den Sinn, das ich zusammen mit anderen einmal vertieft hatte: „Herr, Du kennst mich!” Ich sagte es mir zu – leise – immer wieder. In meinem Sauersein – Herr, Du kennst mich! In meiner Enttäuschung – Herr, Du kennst mich! In dem, was unausgesprochen und damit auch unklar blieb – Herr, Du kennst mich!… Immer wieder sagte ich mir leise dieses Wort … und mehr und mehr spürte ich, wie meine Seele zu einem tiefen Frieden zurückfand und loslassen konnte!
M.W.
(erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai 2012)
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