Leben mit dem Wort April 2013
Kernsätze
– Die größten Schwierigkeiten für unser Glaubensleben kommen oft nicht von außen, sondern aus dem Innern, aus der Mitte unserer Gemeinden und Gemeinschaften.
– Jesus lehrt uns, geduldig zu warten und Verständnis und Barmherzigkeit zu zeigen. So kann das Gute aufgehen, das Gott in jedem Menschen ausgesät hat.
– Statt spontan über die anderen schlecht zu reden oder zu urteilen, sollten wir erst einmal nachsichtig sein. Danach können wir einander auch einmal liebevoll zurechtweisen.
Hintergrund
Die sieben Briefe 1), die im Neuen Testament dem Hebräerbrief folgen, werden seit alter Zeit „Katholische Briefe“ genannt, weil sie nicht an einzelne Gemeinden adressiert sind, sondern sich an einen größeren Leserkreis richten. „Katholisch“ meint in diesem Zusammenhang „universal, allgemein“.
Dies gilt auch für den Jakobusbrief, aus dem das „Wort des Lebens“ für diesen Monat stammt. Als Empfänger sind „die zwölf Stämme, die in der Zerstreuung leben“, genannt. Damit können die judenchristlichen Gemeinden in Palästina und anderen Ländern gemeint sein. Doch könnte der Ausdruck auch eine symbolische Bezeichnung der ganzen Christenheit sein.
Als Absender wird „Jakobus, Knecht Gottes und Jesu Christi, des Herrn“ genannt. Damit ist offensichtlich Jakobus, der „Bruder des Herrn“ (Mk 6,3) gemeint, der nach dem Weggang des Petrus die Gemeinde von Jerusalem leitete. Er erlitt im Jahr 62 n. Chr. den Märtyrertod, sodass der Brief spätestens in diesem Jahr verfasst sein müsste. Andere Forscher sind dagegen der Auffassung, dass dieses Schreiben erst gegen Ende des 1. Jahrhunderts entstanden sei, und zwar in Kreisen, die sich auf Jakobus berufen konnten.
Der Text ist trotz des briefartigen Anfangs kein eigentlicher Brief. Es geht um die Mahnung zu einer tatkräftigen Verwirklichung des Evangeliums auf der Grundlage des Glaubens an Jesus Christus. Dieser Glaube befähigt den Menschen zum wahren Gottesdienst: zur tätigen Liebe gegenüber den Armen.
Während Paulus im Römerbrief sagt, der Mensch werde durch Glauben gerecht, unabhängig von den Werken des Gesetzes, betont Jakobus, „dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein“ (Jak 2,24).
Wegen dieser starken Betonung der „Werke“ war der Jakobusbrief für Martin Luther ein Störfaktor. Er nannte ihn eine „stroherne Epistel“ und sagte einmal: „Mit dem Jeckel (=Jakobus) werde ich den Ofen heizen“.
Doch stehen die Aussagen des Jakobusbriefs nicht in wirklichem Gegensatz zur Lehre des Paulus. Paulus spricht von „Werken des Gesetzes“, Jakobus aber meint die Taten der Nächstenliebe, ohne die auch für Paulus der Glaube nichtig wäre (vgl. Galater 5,6).
1) Jakobusbrief; 1. und 2. Petrusbrief; 1., 2. und 3. Johannesbrief, Judasbrief
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, April 2013 )
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