11. Dezember 2013

Über die eigenen Grenzen

Von nst1

Im vergleichsweise kleinen und armen Jordanien bekommen syrische Flüchtlinge nicht nur humanitäre Hilfe.

Seit Beginn des Bürgerkriegs sind etwa 2,2 Millionen Menschen aus Syrien geflohen. Der Großteil von ihnen sucht Schutz in den Nachbarländern, außer im Libanon vor allem in Jordanien. Dort steht die Caritas an vorderster Front. „Wir sind vor 45 Jahren als Hilfswerk der katholischen Kirche unter dem Vorsitz des Patriarchen von Jerusalem gegründet worden und gehören zur Caritas International“, erklärt Direktor Wael Suleiman. Gut 130 000 syrische Flüchtlinge betreut allein die Caritas. Sie bekommen medizinische und humanitäre Hilfe. „Es ist für Jordanien schwer“, sagt Suleiman, „diese vielen Flüchtlinge aufzunehmen. Das Land hat kaum Ressourcen und wir haben sowieso wenig Wasser. Das müssen wir jetzt noch mit den Flüchtlingen teilen. Aber wir möchten die Türen nicht verschließen. Der König hat angeordnet, dass die Grenzen für unsere syrischen Geschwister geöffnet bleiben. In diesem Moment versuchen wir alle, solidarisch zu handeln.“

Neben den 250 hauptamtlichen Mitarbeitern sind mehr als 1000 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Suhad Zarafili, eine der Verantwortlichen für die Projekte, erzählt: „Die Ehrenamtlichen, Christen und Muslime, waren die ersten, die in Flüchtlingslager der Syrer gingen, um den Bedürftigsten zu helfen.“
Aber die Hilfe beschränkt sich nicht auf die humanitären Bedürfnisse. „Tatsächlich“, so der jordanische Caritas-Direktor, „kommen in den großen Camps, die von den Hilfsorganisationen der UNO betreut werden, auch viele internationale Hilfen an. Aber wir merken, dass vor allem auch diejenigen Unterstützung brauchen, die sich hier wieder eine neue Lebensgrundlage schaffen wollen.“ Zwischen den beiden Ländern gibt es Absprachen, die Kindern ermöglichen, die Schule zu besuchen und Erwachsenen, eine Arbeit anzunehmen. „Aber auch wenn sie kein Visum brauchen und arbeiten dürfen, sehen die meisten Jordanien nur als Durchgangsstation“, erläutert Wael Suleiman. Die Flüchtlinge hoffen, dass sie in westliche Länder ausreisen können. Dort sehen sie kurzfristig mehr Perspektiven, Geld zu verdienen, aber „es wird einfacher für sie sein, in ihr Land zurückzugehen, wenn wir ihnen helfen, die Zeit bis zum Ende des Bürgerkriegs hier bei uns zu überbrücken.“

Der Caritas-Direktor sieht sich und seine Organisation dabei vor allem auch mit Blick auf die Christen gefragt: „Wenn die erst einmal weg sind, weiß man nicht, ob sie zurückkommen werden, gerade weil ihre Lage im Nahen Osten ohnehin unsicher ist.“ Eine der Hauptaufgaben sieht der Caritas-Direktor  deshalb neben der humanitären Hilfe, „die im Augenblick das Überleben sichert“, mit Blick auf die Zukunft auch die Notwendigkeit, die Menschen zur Vergebung und zum Dialog zu befähigen: Deshalb initiiert und fördert er Projekte zur Friedenserziehung, d Muslime, Syrer und Jordanier beteiligt sind – und dabei hat das jordanische Königreich eine reiche Erfahrung einzubringen.
Gabi Ballweg

Erschienen  in der gedruckten Neuen Stadt, Dezember 2013)
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