8. April 2014

Historischer Beschluss

Von nst1

Erstmals seit Jahrhunderten berufen orthodoxe Kirchen 2016 ein Konzil ein.

Erstmals seit der Spaltung zwischen Ost- und Westkirchen haben orthodoxe Kirchen nun die Einberufung eines Panorthodoxen Konzils beschlossen. Es soll 2016 in Istanbul tagen. Das gaben Patriarch Bartholomaios I. und die Oberhäupter von elf orthodoxen Nationalkirchen Anfang März in Istanbul zum Abschluss einer „Synaxis“, einer Versammlung der Oberhäupter aller selbstständigen orthodoxen Kirchen, bekannt. Ein eigenes Komitee soll von kommendem September bis Ostern 2015 das Prozedere und Entwürfe für die Konzilstexte der „Heiligen und Großen Synode“ vorbereiten.

Der Beschluss bedeutet einen Durchbruch; noch bei einer Zusammenkunft 2008 in Istanbul war es den Oberhäuptern der orthodoxen Kirchen nicht gelungen, innerorthodoxe Querelen zu überwinden. Seit den sechziger Jahren waren Vorbereitungen eines Panorthodoxen Konzils vor allem an Meinungsunterschieden zwischen dem Ökumenischen Patriarchen und der Führung der russisch-orthodoxen Kirche gescheitert. Beide rivalisieren um den Führungsanspruch über die weltweit 250 Millionen Orthodoxen; deutlich mehr als die Hälfte von ihnen gehören zur russisch-orthodoxen Kirche. Nun machte in Istanbul der Moskauer Vertreter, Metropolit Hilarion, den Weg zu einem baldigen Abhalten des Konzils frei.

Als wichtige Themen für das Konzil gelten die Frage der Rangordnung der einzelnen orthodoxen Kirchen sowie die Voraussetzung für die Erlangung der Eigenständigkeit einer Kirche. Zum ersten Mal seit weit über tausend Jahren würde die orthodoxe Christenheit dabei mit einer Stimme sprechen; das kann sich, so denken Ökumene-Experten, nur positiv auf die Beziehungen zwischen Orthodoxen und Katholiken auswirken.
gba

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, April 2014)
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