17. Januar 2016

“Wir gehören zusammen.”

Von nst1

Rund ein Drittel der Ehen wird innerhalb von 25 Jahren geschieden. Davon haben sich Rebecca und Cornelius nicht beeindrucken lassen: Sie haben im September geheiratet.

Weltjugendtag 2011 in Madrid. Die „Tage der Begegnung“ zwischen deutschen und spanischen Jugendlichen waren zugleich Tage der Begegnung von Rebecca, damals 18, und dem vier Jahre älteren Cornelius. Beide waren mit unterschiedlichen Bussen des Bistums Dresden-Meißen angereist. „Wir haben gleich auch tiefere Gespräche gehabt“, erinnert sich Rebecca, „da hat´s irgendwie schon gefunkt!“
Sie hatte zuvor in Altenburg in Ost-Thüringen Abitur gemacht und ging kurz danach für ein Jahr als Aupair nach Genf. Cornelius, der aus Marienberg im Erzgebirge stammt, studierte Maschinenbau in Dresden – tausend Kilometer entfernt. Die zwei Monate, bis er sie per Zug besuchen kam, schienen ihnen viel zu lang. „Ich hatte ein komisches Gefühl“, beschreibt Cornelius. „Wir waren ja noch nicht richtig zusammen. Deswegen war das ein Abenteuer. Aber mit Happy End: In dem Jahr haben wir uns nicht häufig gesehen, aber regelmäßig alle ein bis zwei Monate.“

Nach Genf begann Rebecca in Nürnberg ihr Studium für das Lehramt an Grundschulen: Ein zweites Jahr an unterschiedlichen Orten – nicht ganz leicht für eine junge Beziehung. „Ich glaub aber, das war gar nicht so schlecht“, meint Rebecca im Rückblick. „Denn wir haben das durchgestanden und nicht wie andere Pärchen ständig aneinander gehangen.“ – „So weiß man vom anderen, dass er es ernst meint“, stimmt Cornelius zu. „Man hat Vertrauen aufgebaut.“
Das Warten bis zum nächsten Wiedersehen hat eine rege Korrispondenz verkürzt. „Cornelius hat mir so süße Briefe geschrieben und mich damit verzaubert“, antwortet Rebecca leicht verlegen auf die Frage, was ihr an ihrem Mann gefällt. „Er ist immer voll lieb und wenn ich traurig bin, muntert er mich auf. Ich fühl mich geborgen bei ihm.“ Auch Cornelius wägt die Worte bei so einer persönlichen Frage: „Rebecca ist sehr liebevoll. Man fühlt sich einfach sehr wohl, wenn man mit ihr zusammen ist. Sie ist nicht abgehoben und achtet nicht auf unwichtige Sachen. Aber auf Kleinigkeiten, die alles wertvoller machen.“

Irgendwann war klar, dass die beiden heiraten. „Nach drei Jahren sagt man sich: Es läuft gut, dann müssen wir doch nicht noch ewig warten!“ Dass viele Ehen scheitern, ist für sie kein Argument. „Wenn man schon vorher befürchtet, man könnte sich scheiden lassen, braucht man gar nicht erst anfangen“, meint Rebecca. Bei ihren Eltern, vielen Verwandten und befreundeten Paaren erleben sie, wie es gehen kann. „Auch wenn es mal hakt, gibt es Lösungen. Und wenn man verheiratet ist, ist der Ansporn größer, nach ihnen zu suchen.“
Rebecca wollte ihren Nachnamen Köhler behalten. „Wincierz“ fand sie zu kompliziert. Den Namen seiner Vorfahren aufgeben? Für Cornelius keine leichte Entscheidung. Die Spannung mussten beide aushalten. Für Cornelius war schließlich wichtiger, dass ein gemeinsamer Name auch ausdrückt, dass man zusammengehört.

Viel gebracht, erzählen Rebecca und Cornelius, hat ihnen ein Ehevorbereitungsseminar in einem katholischen Bildungshaus bei Dresden. „Von Freitag bis Sonntag, mit etwa zwölf Paaren. Das war intensiv und fordernd, aber schön!“ Dank der Gesprächsleitung haben sie sich über Themen unterhalten, die im Alltag nicht zur Sprache kommen. „Wir haben ein Ehehaus gebastelt,“ erzählt Rebecca, „also überlegt, was in unserer Ehe wichtig ist, und das bildlich dargestellt. Es war schön, von anderen zu erfahren, wie sie ihre Beziehung leben wollen.“ – „Hinzu kam: Die anderen betrachten einen von außen, fragen nach, beurteilen“, ergänzt Cornelius. „So bleibt man nicht nur in seiner eigenen Vorstellungswelt.“ Einige Teilnehmer hatten Partner, die evangelisch oder ohne religiöse Überzeugung waren. „Es war interessant, wie die das machen mit dem Glauben in ihrer Beziehung.“
Freunde von Cornelius waren überrascht, als sie erfuhren, dass er mit 26 „schon“ heiratet. Rebecca ist 22. „Ein Bekannter wollte wissen, ob ich schwanger bin“, erzählt sie. „Ich kenne viele, die schon jahrelang zusammen sind und gar nicht daran denken zu heiraten. In meinem Freundeskreis bin ich jedenfalls die erste.“

Dann der große Tag. Wie war es, sich das Ja-Wort zu geben? Ungewohnt, so im Mittelpunkt zu stehen, sagt Cornelius: „Aber überwältigend und sehr schön.“ – „Voll emotional“, bestätigt Rebecca. „Wir haben uns an den Händen gehalten und in die Augen geschaut. Wir wollten nicht einfach nur ‚Ja’ sagen, sondern haben den ganzen Text selbst gesprochen: ‚Cornelius, vor Gottes Angesicht nehme ich dich an…’“
Der Ring am Finger, für Cornelius der Nachname, das sind Äußerlichkeiten, die sich mit der Hochzeit geändert haben. „Man hat öffentlich fest gemacht, dass man einen gemeinsamen Weg gehen will. Das macht schon etwas aus“, ist Cornelius überzeugt. „Wir gehören jetzt richtig zusammen.“

Mit der Zeit fallen ihnen die Macken aneinander auf. „Irgendwann knallt es auch mal, wenn einen etwas stört“, so Rebecca. „Mit manchen Eigenschaften muss man lernen, klarzukommen“, fügt Cornelius hinzu. „Ich kann versuchen, meine negative Eigenschaften zurückzustellen, den anderen aber nicht umerziehen.“ Das Bemühen, etwas zu ändern, erwartet er allerdings auch von seiner Partnerin. „Sonst wäre es einseitig und unvollkommen.“ Sie bekomme es als erstes ab, wenn er frustiert ist. „Wenn etwas Ernsteres zwischen uns ist, versuchen wir, darüber zu reden“, sagt Rebecca. „Probleme vor sich her schieben bringt nichts. Aber ich werde schnell emotional“. Sie will daher zunächst fünf Minuten allein sein oder eine Nacht darüber schlafen. „Es ist aber nicht so, dass die Beziehung immer stressiger wird, je länger man zusammen ist“, schiebt Cornelius ein: „Mit der Zeit entdecken wir auch immer mehr schöne Seiten aneinander!“

Rebecca und Cornelius leben in Nürnberg. Er hat eine Arbeit als Konstruktionsingenieur gefunden. Was in zehn Jahren sein wird? „Das hängt von unseren Arbeitsplätzen ab“, antwortet Rebecca. „Aber wir wollen an einem Ort leben. Ich kenne ein Paar, die wohnen 100 Kilometer auseinander. Das könnte ich nicht. Die Beziehung darf nicht unter den Arbeitsbedingungen leiden.“ Kinder möchten sie bekommen, mehr als eines. Eilig haben sie es damit nicht, wollen aber auch nicht ewig warten. „Solange ich im Studium bin, könnte ich relativ problemlos ein Jahr Pause machen“, sagt Rebecca. „Aber wir nehmen es, wie es kommt.“
Ihren Glauben sehen sie als Fundament ihrer Beziehung, auch wenn sie nicht ständig darüber reden. Aber der Austausch darüber wie beim Ehevorbereitungsseminar oder einer gemeinsamen Zeit in Taizé ist ihnen wichtig. Sie unternehmen gern etwas zusammen, haben einen Tanzkurs besucht und eine Weile im Chor gesungen. „Abends im Bett, das ist auch so eine gemeinsame Zeit, wo man noch miteinander quatscht. Aber ich würde eine Krise kriegen, wenn wir nur aufeinanderhocken“, bekennt Rebecca. „Man braucht auch mal Zeit für sich oder mit Freunden.“ Cornelius singt weiter im Kirchenchor; auch Rebecca hat immer wieder Zeit für sich: „Ich nähe gern, backe sehr viel. Das macht mir Spaß.“
Das junge Paar schaut furchtlos in die Zukunft. Cornelius rechnet damit, dass ein Arbeitsplatzwechsel, Kinder oder einfach das Älterwerden auch Veränderungen in ihrer Beziehung nach sich ziehen. „Darauf muss man sich einstellen. Wir sind ja erst am Anfang.“
Clemens Behr

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2016)
Ihre Meinung ist uns wichtig, schreiben Sie uns! Anschrift und E-Mail finden Sie unter Kontakt.