Seefeuer und Collide

Zwei neue Kinofilme

Seefeuer
von Gianfranco Rosi

Sie nehmen alles, was ihnen das Meer gibt – die Bewohner von Lampedusa. So berichtet der Arzt in Rosis Film von den Erfahrungen mit den täglich strandenden Flüchtlingen: tote Frauen und Kinder, junge Männer, die an Verätzungen oder Wassermangel unter Deck gestorben sind, oder die junge Mutter, die ihr Neugeborenes – noch an der Nabelschnur – auf dem sinkenden Schiff mit in die Tiefe gezogen hat.
Zugleich kämpfen die Leute von Lampedusa gegen die tödliche Sogwirkung der Tiefe – und dabei doch immer auch um sich selbst: Routiniert-barmherzige Helfer, deren humanitäres Charisma in seiner großzügigen, selbstlosen Professionalität beeindruckt und auch – beschämt.
Gianfranco Rosi hat diesen „Menschenfischern“ an den äußersten Grenzen Europas ein unpathetisches Porträt gewidmet. Man wünscht diesem Film ein breites Publikum.
Herbert Lauenroth

Collide
von Eran Creevy

Der junge Drogendealer Cassey hängt für die Liebe seines Lebens seinen Job an den Nagel. Als sich herausstellt, dass seine Freundin eine Nierentransplantation benötigt, übernimmt er einen letzten großen Auftrag, um die Operation zu finanzieren. Dieser misslingt jedoch und Unterweltboss Hagen Kahl ist ihm auf den Fersen – eine rasante Verfolgungsjagd auf Leben und Tod beginnt.
Solider Action-Film mit Starbesetzung, der seinen Reiz vor allem aus den ungewöhnlichen Drehorten bezieht: Die Hollywood-Produktion wurde komplett in Deutschland und zu großen Teilen in Köln gedreht. So viele schnelle und teure Autos wurden für einen deutschen Film noch nie zu Schrott gefahren. Sehenswert die beiden Oscar-Preisträger Anthony Hopkins und Ben Kingsley als ungleiche Drogenbarone.
Markus Thiel

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September 2016)
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