Zwischen Wollen und Können

Sorgfältig mit der Natur leben ist für Ines Resch auch eine Frage der Wachsamkeit und des immer neuen Abwägens.

Ines Resch,
Jahrgang 1972, lebt mit ihrem Mann Markus und vier Kindern (9 bis 15 Jahre) im oberbayerischen Wessobrunn. Mit der Natur zu leben, ist ihr ein Herzensanliegen. Deshalb hat sie Forstwissenschaft studiert und dabei auch ihren Mann kennengelernt. Der Umgang mit der Natur beschäftigt sie aber nicht nur von Berufs wegen.

“Vor einigen Wochen saßen wir unter einem unserer Apfelbäume. Obwohl er in voller Blüte stand, haben wir fast kein Summen gehört. Ob das an der frühen Blüte in diesem Jahr lag oder eine Folge des Bienensterbens ist, konnten wir nicht sagen. Aber gewundert haben wir uns. Und vor Kurzem kam mein Mann von einem Fachvortrag heim und machte mich darauf aufmerksam, dass meine Edelrosen den Bienen keinen Nektar liefern. Diese zwei Begebenheiten fallen mir spontan ein.
Ich liebe meinen Garten, wo ich Obst und Gemüse anbaue und keine Chemie einsetze. Im Sommer sind wir Selbstversorger. Sonst versuche ich, regional einzukaufen und nicht die Birnen aus Argentinien, sondern doch eher die aus Italien, weil das für die Ökobilanz besser ist. Anstelle der Geranien, die keinen Fruchtnektar bilden und deshalb kein Futter für die Bienen, bepflanze ich meine Balkonkästen mit verschiedenen Salbeisorten, die wunderschön blühen. In die Kübel säe ich Blühwiesensamen, sodass es dort das ganze Jahr über blüht. Meine Edelrosen werde ich aber behalten, dafür bei der nächsten Rose darauf achten, dass es keine hochgezüchtete ist. Das Einzige, wo bei mir der Umweltschutz aufhört, sind die Nacktschnecken, die mir alles auffressen. Und auch wenn ich oft ein schlechtes Gewissen habe, mache ich da einen Kompromiss, sammle sie ein oder nehme Schneckenkorn. Meine Stauden schneide ich im Winter nicht mehr ab. Da ist nicht alles abgeräumt und sauber, eher bizarr; Vögel finden so Futter und Käfer und Spinnen Unterschlupf.
Insgesamt spielt das Thema Natur eine grundlegende Rolle bei uns. Warum? Für mich ist die Natur Schöpfung Gottes. Ich begegne darin Gott. Das mag theologisch nicht ganz durchdacht sein. Aber für mich ist die Schöpfung ein Geschenk Gottes, die wir zu bewahren, mit der wir sorgfältig umzugehen haben. Wir sind Teil der Natur und eingebunden in diesen großartigen Kreislauf. Deshalb kann ich nicht so tun, als gehe es mich nichts an. Und unsere Lebensführung ist davon geprägt.
Verbundenheit mit der Natur hat für mich auch mit Fleischkonsum zu tun. Mit Kühen, Rindern, Schweinen sorgfältig umzugehen, heißt für mich, dass sie halbwegs artgerecht gehalten werden. Deshalb kaufen wir Fleisch sehr gezielt ein. Und weil mein Mann Jäger ist, kommen wir gut an Wild. Das können wir mit bestem Gewissen essen. Alles andere kaufen wir im Bioladen. Bei Wurst ist es schwierig, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem Verlangen der Kinder und der Art und Weise, wie man leben möchte. Und nur beim Bioladen einzukaufen ist für eine sechsköpfige Familie mit nur einem Verdiener unmöglich.
Ein weiteres Thema ist die Verpackung. Zum Einkaufen nehme ich meine Stoffbeutelchen zum Abwiegen mit und versuche, abgepackte Ware zu vermeiden. Manchmal scheitert das aber auch am Geld. Man muss da schon sehr wachsam sein, sich Zeit nehmen, die Auszeichnungen lesen und dann bewusst abwägen, verzichten oder einen Kompromiss eingehen.”

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2018)
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