9 Fragen an Wilhelm Krautwaschl

Worüber ich lachen kann?

Über mich. Über spontane Komik. Lachen hat etwas Befreiendes, Ehrliches: ein wunderbares JA zum Leben, wie es gerade ist. So gedacht eine echte Kurzform des Glaubens.

Was mich ärgert?
Der Philosoph Epiktet sagt: „Der Weg zum Glück besteht darin, sich um nichts zu sorgen, was sich unserem Einfluss entzieht.“ Das ist nicht leicht, aber ein guter Ansatz, Ärger zu vermeiden.

Mein wichtigstes Erlebnis?
Der Festgottesdienst zu 800 Jahre Diözese Graz-Seckau am Platz der Versöhnung am 24. Juni. Von Beginn an eine festliche, aber zugleich völlig entspannte Atmosphäre. Und dann ertönt: „Wer glaubt, ist nie allein.“

Meine Schwäche(n)?
Vielleicht leide auch ich oft an einem Tunnelblick? Das Bischofsamt – griechisch „Episkopus“ und „epi“ heißt „drüber“ – ruft mich dann heraus, drüberzuschauen.

Meine Stärke(n)?
Mich richtet das Wort Gottes immer wieder auf, und ich erlebe den Glauben als Freude aus dem Evangelium. Sie weiterzugeben ist meine Berufung; ihr folge ich und hoffe, damit Zeichen gelebten Glaubens zu geben.

Mein Lieblingsort?
Dort, wo Menschen gemeinsam leben – als Gemeinschaft. Oft verwechseln wir Wo mit Wie. Wer fragt, „Wo finde ich Glück?“, ist auf dem falschen Dampfer. Das Wie ist entscheidend.

Meine Kraftquelle?
Das Gebet, das Wort Gottes und die Gemeinschaft, die auch in schweren Stunden zusammenhält. Die Erfahrung nach der Amokfahrt 2015#1# hält diese Punkte besonders lebendig.

Was mir Sorgen macht?
Die Verrohung in der Kommunikation. Ich weigere mich anzunehmen, dass unsere Gesellschaft den Glauben an verbindende Werte und Ziele wie Frieden, Gerechtigkeit, Wohlstand für alle aufgegeben hat zugunsten der Anbetung des goldenen Selbst.

Foto: (c) Sonntagsblatt/Gerd Neuhold

Wie ich als Bischof Gemeinschaft lebe?
Ich lebe in einer Art Wohngemeinschaft mit einer jungen Familie. Und immer in Gemeinschaft mit den 830 000 steirischen KatholikInnen – als deren Hirte. Das ist herausfordernd wie bereichernd zugleich. – Ach ja, wir hatten in der Steiermark gerade 60 Bischöfe zu Gast, die gemeinsam vorangehen wollen: Wir probieren das in Begegnungen im kleinen Kreis, mittels sozialer Medien oder per Telefon.

Wilhelm Krautwaschl
geboren 1963 in Gleisdorf, Steiermark, ist seit Juni 2015 Bischof der Diözese Graz-Seckau. Sein Wahlspruch im Bischofswappen: „Deus caritas est“ – „Gott ist Liebe“.
www.krautwaschl.info

 

1 Am 20. Juni 2015 fuhr ein 26-Jähriger mit einem Auto in Graz vorsätzlich Fußgänger und Radfahrer um. Vier Personen starben, weitere 35 wurden verletzt, einige schwer.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September/Oktober 2018)
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