2. April 2024

Passiert

Von nst5

Aus dem Leben mit dem Wort

Illustration: © Frank Ramspott (iStock)

Wieder mal ein Wasserschaden in unserem Keller. Genau dort, wo die Kisten voller Kleider standen. Wir wollten sie ins Durchgangszentrum für Geflüchtete bringen. Nun trieften sie vor Nässe und müffelten. Da blieb nur die Waschmaschine. Diesen freien Samstagmorgen hatte ich mir anders vorgestellt! Während ich die Kinderpullover zusammenlege, springt mir ein Satz ins Auge: „Jeder Tag ist ein Abenteuer, und jeder Tag gehört dir. Bleibe glücklich, glaube weiter, schenke Freundlichkeit“, steht in Englisch auf einem der Pullis. „Wow, ins Schwarze getroffen!“, geht mir durch den Kopf. Was nach oberflächlichem „Be happy“ und „Nimm alles nicht so ernst“ klingen könnte, kommt bei mir ganz anders an: Jeder Tag in diesem neuen Jahr wird ein eigenes Abenteuer bringen. Schönes, Trauriges, auch Schweres. Aber in all dem darf ich glücklich bleiben und weiter glauben. Es ist meine Entscheidung, mich mit der inneren, göttlichen Lebenskraft zu verbinden. Dankbar lege ich den zauberhaften Kinderpulli zusammen.
B.L.

Ich fuhr mit meinem Vater zum Wocheneinkauf. An einer engen Stelle im Ort überholte ein Auto. Ein paar Hundert Meter weiter blieb es stehen, die Fahrerin stieg aus, kam auf uns zu. Ich hielt an. Verärgert über ihr unvorsichtiges Überholen wartete ich etwas voreingenommen ab, was sie wollte. Sie sprach uns mit osteuropäischem Akzent an. „Sie haben einen Fisch auf ihrem Auto aufgeklebt.“ – „Ja.“ – „Dann sind Sie Christ?“ Verwundert antwortete ich wieder: „Ja“. „Dann müssen Sie mit mir beten.“ Sie könne wichtige Papiere von sich und ihrer Mutter nicht mehr finden. Immer noch verwundert schlug ich vor, dass wir uns auf dem nahegelegenen Parkplatz treffen könnten. Dort stieg ich in ihr Auto und wir beteten für sie, ihre Mutter, die schwierige Situation und darum, dass sie die Papiere wieder finden möge. Allmählich beruhigte sich die Frau. Zum Abschluss segnete ich sie.
J.M.

Während des Abendessens begannen meine Eltern eine heftige Diskussion. Deshalb verzog ich mich direkt in mein Zimmer und begann ein Spiel am Computer. Dann erinnerte ich mich an die „Goldene Regel“, „Tu für andere, was dir selbst gefallen würde“. So habe ich den Computer ausgemacht und bin in die Küche, um Plätzchen zu backen. Es hat mir richtig Spaß gemacht und als ich sie dann meinen Eltern gebracht habe, waren sie sehr überrascht. Wir haben sie zusammen gegessen. Dabei haben die beiden sehr viel ruhiger und entspannter erzählt, worüber sie vorher fast in Streit geraten waren.
M.I.

In unser Dorf war vor einiger Zeit ein Ehepaar mit fünf Kindern gezogen. Der Mann war arbeitslos und hatte aus gesundheitlichen Gründen umziehen müssen. Da man unserem Betrieb einen großen Auftrag versprochen hatte, beschlossen wir, ihn einzustellen. Doch dann kam der Auftrag nicht, und wir begannen, uns Sorgen um die Zukunft zu machen. Damals lud das Wort des Evangeliums zum Gebet ein. Der Kommentar nannte zwei Versuchungen – „der Wunsch, allein zurechtzukommen, und die Angst, es nicht zu schaffen“ – und ermutigte: „Stattdessen versichert uns Jesus, dass unser himmlischer Vater es uns an nichts fehlen lassen wird, wenn wir ihn im Glauben darum bitten.“ So wandten wir uns an Gott und vertrauten ihm die neue Situation an. Am nächsten Tag erhielt mein Mann einen ebenso wichtigen wie unerwarteten Auftrag. Seitdem fehlte es uns nie an Arbeit und der neue Mitarbeiter ist weiter bei uns.
M.R.

Während des ersten Semesters hatte ich mein Stipendium mit einem anderen Studenten geteilt, der seine Mensakarte nicht bezahlen konnte, weil er aus einer sehr armen Familie kam. Zu Beginn des zweiten Semesters vertraute er mir an, dass seine Eltern dringend Geld brauchten, und bat mich, ihm etwas zu leihen. Ich hatte Geld für Bücher und Essen zurückgelegt und beschloss, ihm davon etwas zu geben. Eine Zeit lang sah ich ihn nicht mehr. Ich begann, mir Sorgen zu machen und wurde auch ein wenig wütend. Nachdem ich mich beruhigt hatte, besuchte ich ihn zu Hause. Er war nicht gekommen, weil er sich schämte, dass er mir das Geld noch nicht zurückzahlen konnte. Ich beruhigte ihn: Er könne es mir geben, sobald es möglich war, und sonst sei es auch in Ordnung; wichtig sei unsere Freundschaft.
(J.B. – Afrika)

Wir hatten ein Treffen unseres internationalen Leitungsteams und die Atmosphäre war angespannt. „Sich gegenseitig wertschätzen“, das hatte ich mir am Morgen als Motto für den Tag mitgenommen. Und so überwand ich mich und machte einem Mitbruder, mit dessen Art der Führung ich mich nicht immer leichttat, ein Kompliment dafür, wie engagiert und entschieden er eine Sache angegangen war und durchgezogen hatte. Ich denke, das tat ihm gut. Die Stimmung entspannte sich und die Sitzung endete letztlich in heiterer Gelassenheit.
W.J.

Riccardo lebt in einem Dorf in der Nähe von Mailand. Der Junge erzählt: „Wenn ich mit Mama unterwegs bin, sehen wir oft einen alten Mann, der auf der Terrasse vor seinem Haus sitzt. Er grüßt uns jedes Mal mit einem freundlichen ‚Ciao!’ Aber er wirkt auch immer traurig. Ich glaube, er ist einsam und braucht vielleicht Gesellschaft. Nachmittags bringt mich meine Mutter manchmal zu meinen Freunden zum Spielen. Einmal habe sie gebeten, mit mir zu diesem Mann zu gehen. Wir haben uns zu ihm gesetzt und eine Weile erzählt. Er war richtig froh! Und ich auch.“
R.M.


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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, März/April 2024.
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