10. Oktober 2010

Stress im Beruf

Von nst_xy

Was tun, wenn mich die Sorgen von der Arbeit auch zuhause noch verfolgen?

Natürlich wäre es optimal, so mit der Arbeit umzugehen, dass wir uns gar nicht erst stressen lassen. Dafür müssten wir aber lernen, wirklich entspannt und ausgeglichen zu sein. Denn dann könnten wir auch schwierige Herausforderungen im Beruf angehen, „ohne mit der Wimper zu zucken”.

Man kann sich äußerer Hilfsmittel bedienen, um dieses innere Gleichgewicht zu finden. Das zeigt ein persönliches Erlebnis: Ein Schreiner sollte mir helfen, ein altes Bauernhaus auf Vordermann zu bringen. Gleich den ersten Arbeitstag hatte er wegen eines platten Reifens mit einer Stunde Verspätung begonnen, dann fiel seine Motorsäge aus, und später gab auch noch sein alter Kastenwagen den Geist auf.

Als ich ihn zum Feierabend nach Hause brachte, herrschte eisiges Schweigen. Dennoch lud er mich kurz zu sich ein, denn er wollte mir noch seine Familie vorstellen. Als wir uns der Haustür näherten, hielt er bei einem Baum inne und berührte mit beiden Händen die Äste. Danach war er wie ausgewechselt: Sein Gesicht strahlte und zur Begrüßung umarmte er Frau und Kinder.

Später bei der Verabschiedung begleitete er mich zum Auto und ich konnte nachfragen, was die Geste mit dem Baum zu bedeuten habe. „Oh, das ist mein KummerBaum”, antwortete der Schreiner. „Ich weiß, Pannen auf der Arbeit lassen sich nicht vermeiden. Aber die Sorgen, die ich mir darüber mache, gehören nicht ins Haus. Ich will meine Frau und die Kinder nicht damit belasten! Also hänge ich sie draußen an den Baum. Am nächsten Morgen nehme ich sie wieder mit. Das Witzige ist,” erklärte er lächelnd, „dann wiegen sie nicht mehr so schwer wie am Abend zuvor!”
Pasquale Ionata

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Oktober 2010)
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