18. Juni 2011

Viel zu tun: Wie kann ich mich motivieren?

Von nst_xy

Erst die Arbeit und dann kein Vergnügen?

Sie sagen, dass Ihre Arbeit eine Fülle von Aufgaben mit sich bringt. Anstatt loszulegen, ertappen Sie sich jedoch dabei, dass Sie lange am Computer spielen oder ausgiebig Zeitung lesen. Sie fragen nach einem Trick, um Lust auf die Arbeit zu bekommen. Da kann ich Ihnen nur Mut machen: Der erste Schritt ist schon getan! Sich und anderen einzugestehen, mit etwas nicht zurechtzukommen, ist meist schon eine entscheidende Weichenstellung hin zu einer Lösung.
Meiner Erfahrung nach sind es die ohnehin sehr Fleißigen, die ihre Arbeitsmotivation als zu gering einschätzen. Aber das eigene Empfinden, mehr tun zu müssen, bleibt und folgt oft einem Muster: Da ist zum einen ein hoher Anspruch an sich selbst, Aufgaben perfekt zu erledigen, um vor sich und anderen bestehen zu können. Zum anderen wird wenig Wert auf Entspannung und genussvolle Momente gelegt. Der hohe Anspruch kann für gewisse Zeit die Lebenszügel übernehmen und uns mit der Peitsche in der Hand durch den Parcours der Anforderungen treiben. Irgendwann wird es dann zuviel und kehrt sich in ungezügelten Freilauf um – meist gefolgt von einem schlechten Gewissen. Der Verlust von Freude und Motivation ist da eine verständliche Konsequenz.
So gesehen könnte man die eingangs beschriebenen „Trödeleien” auch als autonom genommene Pausen betrachten und als hilfreiche Anstöße zur Reflexion nutzen: Was
würde passieren, wenn ich die eine oder andere Aufgabe weniger perfekt erledigen würde? Welcher Bereich in meinem Leben möchte mehr Entfaltung? Wie könnte ich meine freie Zeit nutzen? Wie lassen sich Teile meiner Arbeit so umgestalten, dass sie mir mehr Freude bereiten?
Abschaltphasen von vornherein bewusst einzuplanen, kann Ihre Arbeitsmoral fördern. Allerdings liegt die Versuchung nahe, die Spannung zwischen Aufgabenerledigung und Erholungsbedürfnis ein für alle Mal in den Griff bekommen zu wollen. Befreiender jedoch ist es, zu akzeptieren, dass wir mal gelungener und es mal weniger gelungen mit der Herausforderung hoher Ansprüche umgehen.
Sebastian Baumann

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juni 2011)
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