25. April 2013

Kirche hoch 2 – der Kongress

Von nst1

Interview mit Christian Hennecke, Regens des Priesterseminars und Leiter des Fachbereichs Missionarische Seelsorge im Bistum Hildesheim.

Sie waren Mitveranstalter. Was war das Hauptanliegen?
Uns hatten zwei Schlüsselbegriffe sehr inspiriert. „Fresh expressions of Church“ heißt etwa „Frische Ausdrucksformen der Kirche“: In der anglikanischen Kirche sind in den letzten Jahren unzählige neue Gemeindeformen entstanden, die sich stark an den heutigen Menschen orientieren und von den Bischöfen gefördert werden. Wir wollten Leute hier bei uns ermutigen, sich in ähnlicher Form auf den Weg zu machen.
Der zweite Begriff, „mixed economy“, beschreibt das gewünschte Verhältnis von alten und neuen Formen. Also nicht: „Bisher war alles Schrott und jetzt machen wir etwas Neues“, sondern wir wollen ein Miteinander von gewachsenen und neuen Formen. Die alten Formen werden ihre Attraktivität behalten, solange es Menschen gibt, die sich mit Leidenschaft dafür einsetzen. Aber wir brauchen auch Raum für neue Aufbrüche.
Es wird stark auf die Charismen und Gaben der Leute gesetzt, ist also ein geistlicher Ansatz. Wir wollten die Erfahrung aus England weitergeben, damit die Menschen ein anderes Bild von Kirche bekommen als nur: Wir strukturieren um. Und wir wollten zeigen, dass man diese Vielfalt auch bei uns schon entdecken kann.

Was bedeutet „Kirche2“?
Der Titel soll die doppelte Dimension ausdrücken: Tradition und Innovation, Katholisch und Evangelisch, Gewachsenes und Neues, stabile und provisorische Gemeindeformen, all das gehört zusammen. Gerade die ökumenische Zusammenarbeit: Denn viele Leute, die mit uns zu tun bekommen, schauen weniger auf die Konfessionsgrenzen als vielmehr auf das, was ihnen glaubwürdig erscheint.

Welche Impulse hat der Kongress gegeben? Was bleibt?
Es war eine tolle Atmosphäre, unglaublich offen, und allein das ist schon etwas wert! Es war auch klar: Der Kongress ist eine Station auf einem Weg. Ob es einen zweiten geben wird, haben wir noch nicht geklärt. Aber längerfristig kommen wir wohl nicht darum herum.
„Kirche2“ steht im Zusammenhang mit dem pastoralen Programm in unserem Bistum, das wir lokale Kirchenentwicklung nennen. Es zielt darauf ab, dass Menschen vor Ort Aufbrüche wagen. Dafür ist es ein wichtiger Akzent gewesen. Wir möchten Leute ermutigen, vor Ort innovativ tätig zu werden. Und sie schulen mit dem Angebot „Kirche2 – der Kurs“, wofür sich schon 60 bis 80 Leute interessieren.

Was müsste passieren, damit Gemeinden und kirchliche Gruppen mehr Fantasie entwickeln, wie sie die Frohe Botschaft unters Volk bringen?
 Wenn die Gläubigen den Eindruck haben, das ist nicht gewünscht, fangen sie gar nicht erst an. Der Kongress sollte zeigen: Experimente sind gewollt, sind möglich und ein Gebot der Stunde. Veranstalter waren ja die Landeskirche Hannover mit Bischof Meisner und das Bistum Hildesheim mit Bischof Trelle: Sie haben damit ganz klar bezeugt, ja, wir wollen das!

Haben Sie dabei eine bestimmte Vision einer Kirche der Zukunft?
Die Vision einer Kirche, die sich nicht zuerst als Institution und von ihren Strukturen her definiert, sondern als Gemeinschaft von Gläubigen. Es kommt auf die Christinnen und Christen mit ihren Gaben und Charismen an, die mutig ihren Weg in dieser Zeit gehen. Und die institutionellen und strukturellen Aspekte der Kirche, die es zweifellos geben muss, sind dazu da, dieser Entwicklung zu dienen. Denn Strukturentwicklung ist noch keine Kirchenentwicklung. Aber dass sich Kirche weiterentwickelt, ist das Ziel.
Clemens Behr

www.kirchehochzwei.de

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, April 2013 )
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