16. September 2014

Unübersehbares Zeichen

Von nst1

Franziskus bittet Evangelikale um Vergebung. 

Es wird nicht mehr überall darüber berichtet, aber es gibt sie noch, jene Gesten, mit denen Papst Franziskus Zeichen setzt. Wie etwa jenes Ende Juli im süditalienischen Caserta: Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche besucht den Pfarrer einer evangelischen Freikirche. Auch wenn der Vatikan den Besuch bei einem Freund aus argentinischen Zeiten offiziell als „rein privat“ bezeichnete, konnte es nicht ausbleiben, dass er auch als ökumenische Geste gewertet wurde. Umso mehr als sich der Papst in seiner Ansprache vor der evangelikalen Gemeinde keineswegs auf persönliche Worte beschränkte: „Unter jenen, die die Mitglieder der Pfingstgemeinden verfolgt oder verurteilt haben (…), waren auch Katholiken: Ich bin der Hirte der Katholiken und ich bitte euch deshalb um Vergebung für jene katholischen Brüder und Schwestern, die vom Teufel besessen waren und nichts verstanden haben.“

Im deutschsprachigen Raum haben vor allem Evangelikale diese Vergebungsbitte gewürdigt – der Besuch markiere einen Wendepunkt im Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zur Pfingstbewegung – während sie in katholischen Medien fast unerwähnt blieb. Allerdings gibt es auch in evangelikalen Kreisen Stimmen, die die Bedeutung relativieren, weil es keine weltweite Pfingstbewegung gebe. Vielmehr müsse man von vielen pfingstkirchlichen und charismatischen Strömungen sprechen, die in Lehrauffassungen und Frömmigkeitsstilen teilweise sehr unterschiedlich ausgeprägt seien.

Dass er keine Berührungsängste gegenüber Freikirchen kennt, hatte Franziskus schon Anfang des Jahres bewiesen, als er eine Grußbotschaft an einen Kongress evangelikaler Christen in den USA sandte. 1)
gba

1) s. Neue Stadt 4/2014, S. 27

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September 2014)
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