Urgestein der Ökumene
Albert Rauch, langjähriger Leiter des Ostkirchlichen Instituts in Regensburg, knüpfte ein dichtes Netzwerk lebendiger Beziehungen.
Die Liebe zur Orthodoxie hat Albert Rauch ein Leben lang geprägt. Dass es dem 81-Jährigen dabei in erster Linie um einen Dialog der Liebe und des Lebens ging, zeigen die vielen Eintragungen im Online-Kondolenzbuch, die Beileidsbriefe an Mitarbeiter im Ostkirchlichen Institut (OKI) wie auch die Grußworte hochrangiger Würdenträger beim Requiem im Regensburger Dom am 21. Januar. 1) Als „Vater“, „Lehrer“, „Bruder“, „Pionier der Ökumene“ und „außergewöhnliche kirchliche, ökumenische und menschliche Persönlichkeit“, als „engagiert, weitblickend und lebhaft“ charakterisieren Metropoliten, Bischöfe, Kardinäle, Äbtissinnen wie auch Pfarrangehörige und Freunde darin den am 10. Januar verstorbenen katholischen Prälaten.
Das Netzwerk lebendiger Beziehungen, die Albert Rauch mit der orthodoxen Welt geknüpft hat, reicht von Regensburg bis in den Ural, von Deutschland über den Nahen Osten bis nach Indien. „Sein Humor, seine Neugier auf das Leben und alles Neue, seine Liebe für die Kunst und die Kultur, seine Freundlichkeit und sein echtes Interesse am Gegenüber“ waren dabei genauso wertvoll wie seine „profunde Sachkenntnis“ und „unschätzbare“ Fähigkeit zum „Dialog“ und als „Brückenbauer“.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil beschlossen die deutschen Bischöfe, die Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen zu vertiefen. Der damit beauftragte Regensburger Bischof Rudolf Graber fand in Albert Rauch einen bestens vorbereiteten Mitarbeiter. Nach seinem Theologie-Studium an der Gregoriana in Rom war Rauch schon Anfang der 1960er-Jahre zusammen mit seinem Studienfreund und späteren Kollegen Nikolaus Wyrwoll nach Griechenland, Syrien, Israel, in die Türkei und den Libanon gereist. Er gehörte auch zur ersten offiziellen katholischen Delegation, die nach Konstantinopel, Sofia und Belgrad fuhr und die ersten Schritte auf die Schwesterkirchen zu machte. Später knüpfte Rauch Kontakte zum Patriarchat von Moskau und Bukarest.
Von 1966 bis 2001 war Albert Rauch Geschäftsführer der Arbeitsgruppe „Kirchen des Ostens“ der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und leitete seit 1972 das OKI in Regensburg. Es verwaltete das Stipendienprogramm der DBK für die Orthodoxie und bot im Lauf der Jahre gut 1000 Studierenden aus allen orthodoxen Lokalkirchen wie auch aus den orientalischen Kirchen über Monate oder gar Jahre ein Zuhause und die Gelegenheit zu Studium und Weiterbildung. In seiner „liebenswürdigen und demütigen Art“ begleitete Albert Rauch die Studierenden, schuf vielfältige Beziehungen und förderte das gegenseitige Verständnis.
Neben der Studentenbetreuung organisierte das OKI katholisch-orthodoxe Symposien und veröffentlicht jährlich „Orthodoxia“, ein Adressverzeichnis aller altorientalischen und orthodoxen Kirchen.
Rauch sprach fließend Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Griechisch, Rumänisch und Serbisch. Im Lauf der Jahre erhielt er zahlreiche Auszeichnungen: drei Ehrendoktorwürden in Rumänien (1997 in Bukarest, 2002 in Oradea, 2008 in Alba Julia); 1997 wurde er Ehren-Archimandrit der rumänisch-orthodoxen Kirche; 2002 erhielt er vom Moskauer Patriarchat den Orden des Friedensstifters Daniel und 2008 die Orden des Hl. Kyrill von Turov und des Hl. Sergius von Radonezh.
Bleibt zu hoffen, dass das Lebenswerk von Albert Rauch, wie es der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt beim Requiem sagte, „in Regensburg eine angemessene Fortsetzung finden“ wird.
Gabi Ballweg
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, März 2015)
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