Für uns gekommen

Advent: Eine Zeit, die zu Herzen und zu Gemüte geht und die voller Bräuche und Traditionen steckt. Manchmal verstellen sie – und die hektische Geschäftigkeit – uns den Blick darauf, dass es vor allem die Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu ist.  Pater Augustin Schmied nimmt in einem Buch 1 die Evangelientexte der Advents- und Weihnachtszeit in den Blick und lädt ein auf den Weg zu Jesus, der für uns Mensch geworden ist. Ein Auszug.

Auch wir haben etwas beizutragen, damit Gott bei uns ankommen kann. Jesus hat von sich gesagt, dass er nicht wie ein Räuber kommen wolle, wie ein Einbrecher 2. Er will eingelassen werden. In diese Richtung weisen die adventlichen Aufrufe: Schluchten sollen aufgefüllt werden; Berge sollen nicht den Weg versperren. Bleiben wir ein wenig bei diesen Bildworten!

„Berge abtragen“, das könnte bedeuten: herunterzusteigen von einem falschen Überlegenheitsdenken.

Es gibt ein humorvolles Buch mit dem Titel „Gebete aus der Arche“ 3. Gemeint ist die „Arche“ des Noach 4. Da wird verschiedenen Tieren, die in der Arche waren, ein Gebet in den Mund gelegt. Auch der Hahn kräht ein Gebet, ein Morgengebet. Und er spricht und tut so, als ob die Sonne aufgehe, weil er mit den Flügeln schlägt und kräht.

Auch bei den Menschen kann es sein, dass sie sich über ihre wahre Stellung täuschen. Da gilt es herunterzusteigen, Gott die Ehre zu geben und die Mitmenschen entsprechend zu würdigen, statt auf sie herabzusehen. „Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung“, schreibt Paulus im Römerbrief 5, und: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat“ 6. Von Jesus kann man sagen: Er ist wirklich „vom Berg herabgestiegen“. Er hat seine hohe Stellung nicht gegen uns ausgespielt 7; er hat nicht den Abstand zu uns betont. – Johannes der Täufer brachte es fertig zu sagen: „Nach mir kommt einer, der größer ist als ich“ 8. Er wollte sich nicht an die Spitze schieben.

„Berge abtragen“, das hieße auch: damit aufzuhören, sich selbst so viel an Leistung und Verdiensten zuzuschreiben, dass vergessen wird, wie viel wir anderen zu verdanken haben, Gott und anderen Menschen; dass wir die Vorgaben nicht vergessen, auf denen wir aufbauen konnten.

Dann die andere Aufforderung: Schluchten aufzufüllen.

Es gibt – bildlich gesprochen – gefährliche Löcher und Gruben, in die wir uns fallen lassen können: in Missmut, Resignation oder sogar Zynismus. Es gibt Schluchten und Höhlen, in die wir uns verkriechen möchten oder in denen wir liegen bleiben möchten, mit den Enttäuschungen, die es gab, mit den schlechten Erfahrungen, die wir gemacht haben. Das sind Schluchten, aus denen wir heraus müssen.

In „Schluchten“ sitzen wir auch, wenn wir uns unberechtigt klein machen. Man kann Gott auch durch ein falsches Sich-Herabsetzen, Sich-Abwerten im Wege stehen. Das ist der Fall, wenn wir so tun, als ob Gott nichts mehr mit uns anfangen könnte; als ob seine Möglichkeiten mit uns am Ende wären, wenn wir unser Unvermögen spüren.

Von „Bergen“ herunter und aus „Schluchten“ heraus, das heißt der „Stimme“ folgen, die ruft: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ 9

1) Augustin Schmied, Für uns gekommen, Biblische Betrachtungen zur Advents- und Weihnachtszeit. Verlag Neue Stadt, München 2106
2) Johannes 10,7ff
3) Gebete aus der Arche, Mainz 1962.
4) vgl. Genesis 6,13–22
5) Römer 12,10; vgl. Philipper 2,3
6 )Römer 15,7
7) vgl. Philipper 2,6
8) Matthäus 3,11
9) Matthäus 3,3

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Dezember 2016)
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