Sterben, Tod – und dann?

Was glauben die Weltreligionen?

Im Judentum ist der Tod wie die Nacht zwischen dem Tag auf dieser Welt und dem des ewigen Lebens. Manche Juden gehen davon aus, dass jede Person nach ihrem Tod vor Gottes Gericht steht; andere glauben, dass alle Toten zusammen am Jüngsten Tag auferstehen; Reformjuden an die Unsterblichkeit der Seele.

Für den Islam ist der Tod ein Übergang. Muslime glauben an ein Leben danach und hoffen, dann in Gottes Nähe zu sein. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden die Toten auferweckt und ihre guten und schlechten Taten abgewogen: Ungläubige und Sünder kommen in die Hölle, Gläubige ins Paradies, wobei jedoch auch die Reue des Menschen und die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes ins Spiel kommen.

Hindus glauben an Reinkarnation oder Seelenwanderung: Die Seele kehrt nach dem Tod in einem anderen Lebewesen auf die Erde zurück. Mit guten Taten versuchen Hindus, ihr Karma zu beeinflussen, die negativen oder positiven Energien ihres Lebens, von denen abhängt, als was sie wiedergeboren werden. Haben sie viel gutes Karma gesammelt, können sie den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt durchbrechen, vollkommenen Frieden erlangen und mit dem Göttlichen eins werden.

Buddhisten glauben, dass sie als Mensch, Tier oder Pflanze wiedergeboren werden. Lebensziel ist, durch ihr Denken und Handeln den Zustand der Erleuchtung zu erlangen. Durch Meditation und Loslösung von allen Begierden können sie die ständige Abfolge der Wiedergeburten beenden und das Nirwana erreichen: einen Zustand, in dem alle Vorstellungen und Sehnsüchte überwunden sind.

Kübler-Ross
Elisabeth Kübler-Ross (1926-2004), Schweizer Psychiaterin, die in den USA wirkte, gilt als eine Pionierin der Sterbeforschung. Der Umgang mit Sterbenden und Trauer beschäftigte sie zeitlebens. Sie war 1969 die erste, die Berichte über Nachtoderfahrungen veröffentlichte, auf deutsch 1971 erschienen im Buch „Interviews mit Sterbenden“: Erlebnisse von Menschen, die etwa bei Unfällen oder Operationen dem Tod sehr nahe gekommen waren. Aussagen wie die, der Tod existiere nicht, nährten aber auch Skepsis an ihrer Glaubwürdigkeit.

Sterbephasen und spirituelles Geschehen
Die fünf Phasen nach Kübler-Ross (s.o.): Nicht-Wahrhaben-Wollen und Isolation, Zorn, Feilschen, Depression und Leid, Zustimmung.
Die Schweizer Musik- und Psychotherapeutin Monika Renz sieht im Sterben ein spirituelles Geschehen, eine Wandlung. Dabei unterscheidet sie drei Bewusstseinszustände: ein Davor, ein Hindurch und ein Danach. Mobilität, Selbstbestimmung, Pläne, Erwartungen, Identität und alles, was dem Ich wichtig war, werde ihm im Davor genommen. Im zweiten Zustand werde nur noch durchlebt. Angst zeige sich in Körperreaktionen wie Schwitzen, Frieren, Zittern. Der Mensch müsse noch tiefer loslassen in ein Unbekanntes hinein. Im Danach seien Angst und Schmerz hinter sich gebracht; Sterbende seien vom Ich und dessen Bedürfnissen ins Sein gelangt, im Frieden, glücklich.
Beide Ansätze beziehen sich auf Sterbeprozesse, bei denen die Person die Erfahrung des nahenden Todes wissentlich durchmacht, etwa nach der Diagnose einer tödlichen Krankheit.
Quelle: Monika Renz, Grenzerfahrung Gott – Spirituelle Erfahrungen in Leid und Krankheit, Kreuz Verlag

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, November/Dezember 2018)
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