Gute Vorsätze

Der Weg in ein neues Jahr ist für viele Menschen mit guten Vorsätzen gepflastert, die oft aber auch schnell wieder gebrochen sind. Bringen sie etwas? Können wir uns ändern?   Was braucht es, um schlechte Gewohnheiten abzulegen oder gute Vorsätze umzusetzen? Können wir anderen, können wir uns gegenseitig dabei helfen?

Gertrude Pühringer
Mutter und Lehrkraft, Engerwitzdorf/Linz
Ein neues Jahr beginnt. Was wird wohl alles passieren: in der Welt, in meiner Familie, bei mir selbst? Ich wünsche mir, dass unser Familienleben ruhiger abläuft. Mit vier Schulkindern, deren diversen Freizeitaktivitäten und den eigenen beruflichen und ehrenamtlichen Herausforderungen ist jeder Tag ziemlich ausgefüllt. Inwieweit ist es sinnvoll, sich gute Vorsätze für das neue Jahr zu nehmen? Ich weiß es nicht. Eines jedoch habe ich entdeckt: Es tut gut, sich während des Jahres zusammenzusetzen und Zwischenbilanz zu ziehen: Wo stehen wir? Was läuft gut? Was können wir ändern, damit gewisse Dinge besser laufen? Was ist uns wichtig geworden? Dabei finde ich es sehr hilfreich, gemeinsam Ziele zu definieren, Prioritäten zu setzen und den Weg zu überlegen, die Ziele zu erreichen. Wenn wir gegenseitig unsere Vorsätze kennen, werden wir sie eher einhalten. Denn wenn ich etwas vor anderen ausspreche, fühle ich mich dem auch mehr verpflichtet. So können wir uns gegenseitig bei unseren Vorsätzen helfen.
Vielleicht gelingt es uns, dass das neue Jahr etwas ruhiger abläuft. Damit hätten wir mehr Kräfte und Räume, in denen wir uns als Ehepaar, mit unseren Kindern und Freunden begegnen können: Der Vorsatz ist gefasst und auch ausgesprochen!

Martin Gögler
Pfarrer i. R., Friedberg-Ottmaring
„Du hast mich gestern mit deinen Worten schwer gekränkt. Versprichst du mir, das nie mehr zu sagen?“ –„Versprechen kann ich es nicht, aber ich nehme es mir fest vor!“ Aus der Erfahrung kenne ich meine Grenzen und Schwächen, dennoch ist es mir mit meinen Vorsätzen ernst.
Um sie halten zu können, baue ich, wenn möglich, Erinnerungshilfen ein: Bei der Krankengymnastik bekomme ich öfter Tipps, was ich zu Hause für meine Gesundheit tun kann. Ich nehme sie mir zu Herzen, vergesse sie dann aber doch leicht. Daher lege ich meine beiden Übungsringe für die Gymnastik so zurecht, dass ich an einem bestimmten Moment des Tages fast drüber stolpere. Dann übe ich gleich ein wenig.
Ich habe mir vorgenommen, jeden Morgen mit einem guten Gedanken in den Tag zu gehen. Hier hilft mir der Weihwasserkessel in meiner Wohnung: Spätestens, wenn ich das Schlafzimmer verlasse und daran vorbeikomme, um mich zu bekreuzigen, erinnere ich mich daran.
In jeder Osternacht verspreche ich zusammen mit der ganzen Gemeinde, als Christ zu leben. Ich bin froh über die Gottesdienste und liturgischen Feiern das Jahr über. Denn häufig helfen sie mir, mich an meine Vorsätze zu erinnern, und geben mir Anstöße, um einen neuen Anfang zu setzen.

Anna Lippert
Bildungspsychologin, Stuttgart
Ich selbst habe jede Menge guter Vorsätze. Einer davon ist – ganz klischeehaft – mehr Sport zu treiben. Aber meistens verhindert mein innerer Schweinehund weitere Aktivitäten. Denn mein Hirn liebt die bisherigen Gewohnheiten. Sie sind bequem, vertraut und erleichtern dem Hirn die Arbeit.
Neue Verhaltensweisen dagegen werden über das Kontrollzentrum geregelt, dort wo das bewusste Denken stattfindet. Das bedeutet, wir müssen uns unsere neuen Gewohnheiten mühsam antrainieren. Dabei hilft es, die Umsetzung so genau und verbindlich wie möglich zu planen:
–  Wann fange ich an?
–  Was genau nehme ich mir vor?
–  Ist das auch realistisch?
–  Und was mache ich, wenn Schwierigkeiten auftauchen?
–  Wie schaffe ich es, meine guten Vorsätze trotzdem umzusetzen?
–  Brauche ich andere Personen, die mich erinnern, mir zusprechen oder mit mir zusammen trainieren?
–  Außerdem hilft es, sich für Erfolge zu belohnen. Dadurch produziert das Hirn wieder Dopamin, wir freuen uns, und gleichzeitig wird langsam aus der neuen Verhaltensweise eine stabile Gewohnheit.

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(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2019)
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