Sklaverei heute?

Die Hochkultur der Griechen, die Blütezeit Roms – beides ist ohne Sklaven kaum denkbar. Leibeigene waren lange gang und gäbe. 1865 wurde die Sklaverei in den USA abgeschafft.  Schon 1792 hatte Dänemark diesen Schritt getan. Als letztes Land der Welt verbot Mauretanien 1980 die Sklaverei. Offiziell. Der Anteil der Sklaven an der Bevölkerung des afrikanischen Landes soll nach wie vor der Höchste der Welt sein.
Auch heute werden Menschen erpresst, als unfrei und minderwertig behandelt, in Abhängigkeiten gehalten. Menschliche Abgründe tun sich auf. Oft hinter heuchlerischen Fassaden des schönen Scheins. Welch hemmungslose Brutalität in die Prostitution gezwungene Frauen erleben, ist unvorstellbar. Unter welch unmenschlichen Bedingungen Flüchtlinge in Libyen festgehalten werden, ist hinreichend bekannt. Subtilere Formen der Ausbeutung kennt die Arbeitswelt: in der Baubranche, der Pflege, der Erntehilfe…

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Wenn ich sehe, wie günstig manche Kleidungsstücke, elektronischen Geräte oder Nahrungsmittel sind, frage ich mich, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Beim Einkaufen, mit unserem Lebensstil unterstützen wir Strukturen der Ausbeutung und der Ungerechtigkeit: unwissentlich – oder indem wir unser Gewissen damit beruhigen, dass die Menschen aus Bulgarien, Rumänien, Thailand oder woher auch immer auf diese Weise ja immerhin etwas verdienen.
Was gegen den Menschenhandel tun? Solange das Gefälle zwischen Arm und Reich, sicherem Leben und Not groß ist, wird es Ausbeutung geben. Solange Korruption, Bürgerkrieg, ungerechte Strukturen dafür sorgen, dass Menschen in ihrer Verzweiflung das Risiko eingehen, zwielichtigen Versprechungen zu folgen, wird sich wenig ändern. Eine radikale Veränderung der Lebensumstände ist nötig, damit langfristig alle Menschen eine Zukunft haben.
Ermutigend ist, wie viele Vereine und Organisationen sich in dem Bereich engagieren! Sich informieren, sich die Zusammenhänge bewusst machen kann ein erster Schritt für jeden persönlich sein. Auf der Internetseite slaveryfootprint.org können Sie (auf Englisch) herausfinden, wie viele unter ungerechten Produktionsbedingungen Arbeitende Ihre Konsumgewohnheiten möglich machen. Fair gehandelte Waren kaufen, kann dazu beitragen, Kinderarbeit abzubauen und gerechte Entlohnung zu fördern. Wir raten, die Augen aufzuhalten und Verdachtsmomente der Polizei, dem Bundeskriminalamt oder anderen Schutz-Stellen und -Organisationen zu melden.
Wachsamkeit und kleine Schritte helfen auf dem Weg zu einer menschenwürdigeren Welt. Wir wünschen uns, dass wir 2019 in dieser Richtung weiterkommen. In diesem Sinn ein gutes neues Jahr!
Herzlichst, Ihr

Clemens Behr

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Januar/Februar 2019)
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