6. Oktober 2021

Führung ist auch Teamarbeit

Von nst5

Ansgar Bock

Jahrgang 1964, arbeitet seit dreißig Jahren als Entwickler für Führungskräfte in verschiedenen Firmen sowie als Coach und Trainer. Als studierter Pädagoge hat er Zusatzausbildungen unter anderem in Systemischem Coaching, Neurolinguistischem Programmieren und Transaktionsanalyse abgeschlossen. Er stammt aus Hildesheim, lebt bei München, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Bin ich eine gute Führungskraft? Diese und ähnliche Fragen stellen viele Vorgesetzte sich selbst – und in Beratungssituationen auch mir. Sie tun das, wenn sie erstmals in einer Führungsposition sind, eine hohe Leitungsrolle übernehmen oder vor besonderen Schwierigkeiten stehen. Im Coaching suchen wir für die jeweilige Person passende Antworten. Dabei lasse ich mich leiten von dem Vertrauen, dass die Führungskraft, angeregt durch Fragen und Impulse von mir, die ihren Blickwinkel erweitern, ihre persönlichen Lösungen findet. Immer wieder begegnen mir in diesem Prozess vier Faktoren, mit der eine Führungsrolle verantwortungsvoll gelebt werden kann. Zwei davon beziehen sich auf die Führungskraft selbst, zwei auf das Zusammenwirken mit den Teammitgliedern.
1. Reflexion:
Schon die ehrlich gemeinte Frage, ob sie eine gute Leitungsperson ist, ist ein wesentliches Kennzeichen für eine gute Führungskraft! Denn Selbstreflexion ist die Grundlage für Weiterentwicklung und eventuell nötige Verhaltensanpassungen. Im Laufe der Zeit festigt sich die Persönlichkeit eines Menschen mehr und mehr. Und doch sind wir gefragt, flexibel auf neue Aufgaben und Begegnungen zu reagieren. Im Kontext von Führung kann das bedeuten, neue Mitglieder in ein Team zu integrieren, bisherige zu verabschieden, Zukunftsstrategien auszuarbeiten, Finanzkennzahlen zu managen oder die Zusammenarbeit mit Kunden zu justieren. Führungspersonen sind gefordert, die vielfältigen Anforderungen wahrzunehmen und zu hinterfragen, ob und wie sie ihnen gerecht werden können.
2. Authentizität:
Hier geht es um die „Passung“ der individuellen Persönlichkeit zum Unternehmen und zur eigenen Rolle. Überzeugend Einfluss nehmen kann die Person, die sich selbst achtsam führt, deren Werte und Einstellungen zu dem Unternehmen oder der Organisation passen, deren Bedürfnisse (Nähe, Distanz, Unabhängigkeit, Freizeit) und Eigenschaften (Kommunikationsstil, Emotionen, Veränderungsbereitschaft) stimmig zu den Anforderungen der jeweiligen Position sind.
3. Feedback:
Wer eine Führungsposition bekleidet, muss etwas bewirken wollen. Um zu verstehen, wie überzeugend man agiert und warum Ziele zuweilen nicht erreicht werden, sind Rückmeldungen beispielsweise durch Mitarbeitende notwendig. Die Selbsteinschätzung wird realistischer, wenn sie um unterschiedliche Fremdeinschätzungen erweitert wird. Ohne Feedback sehen viele Führungskräfte eher ihre positiven Absichten als die tatsächlich erzielte Wirkung ihres Handelns.

4. Beteiligung:
Eine Führungsposition wird oft als Zeichen für Erfolg und Karriere gesehen. Für viele ist das verbunden mit einem hohen Leistungs- und Erwartungsdruck an sich selbst. Um so hilfreicher ist es für Leitungskräfte, die Teammitglieder mit ihrem Expertenwissen und ihren Kompetenzen als wesentlich für den Teamerfolg anzuerkennen. Diese Haltung erdet den Anspruch an die Führungsrolle auf ein realistisches Maß und kann die Führungskraft entlasten. Denn sie berücksichtigt die Wechselwirkung zwischen Leitenden und Mitarbeitenden sowie die beiderseitige Verantwortung.

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, September/Oktober 2021)
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