1. Dezember 2025

Passiert

Von nst5

Aus dem Leben mit dem Wort

Illustration: (c) juliawhite (iStock)

Samstag, 11 Uhr im Supermarkt. Die Schlange vor dem Pfandautomaten war viermal länger als sonst. Kurz überlegte ich: „Will ich mich mit dem Kasten und den paar Flaschen anstellen?“ Ich entschied mich dafür. Der Kunde hinter mir hatte den Einkaufswagen halbvoll mit einem Sammelsurium an Einzelflaschen. Er konnte nicht gut stehen und wollte sich setzen, ohne den Platz in der Schlange zu verlieren. Ich bot ihm an, seinen Wagen mitzunehmen und ihn zu rufen, wenn er an der Reihe wäre. Vor mir waren zwei, die nicht warten wollten. Ich schlug ihnen vor, ihr Leergut dem Kunden hinter mir zu schenken. Sie reagierten dankbar und schnell: Noch während ich mit dem Besitzer des Wagens sprach, ob es ihm recht sei, hatten sie ihr Leergut schon dort deponiert und waren weg. Der Mann konnte das unerwartete Geschenk kaum fassen. Und ich war viel schneller als erwartet an der Reihe. Eine echte Win-win-win-Situation.
K.Z.

An einem Tag erlebte ich nacheinander drei „Enttäuschungen“. Zunächst verlief eine regelmäßig stattfindende Videokonferenz dieses Mal so ganz anders: zäh, mühsam, fast ein wenig traurig. Dann eine persönliche Begegnung, die ich mir anders vorgestellt und gewünscht hätte. Und schließlich war ich über mich selbst enttäuscht, da ich mich von den beiden Erlebnissen so hatte blockieren lassen. Da war das „Wort des Lebens“ wie ein „Stoßseufzer“, der mich aufatmen ließ: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe“ (Johannes 21,17).
A.S.

Als Lehrerin an einer großen Schule habe ich manchmal Schüler, die sehr schwierig sind. Seit Schuljahresbeginn war da ein Elfjähriger; er war so auffällig, dass ich monatelang an ihm verzweifelte. So ging ich eines Sonntags in ein Kloster und suchte das Gespräch mit einem Pater: „Dieser Schüler ist undiszipliniert, bricht Schulregeln, stört die Klassengemeinschaft, ist aggressiv und ich kann ihn einfach nicht gernhaben“, jammerte ich. Der Pater hörte sich alles geduldig an und betete am Schluss für den Jungen. Am nächsten Tag kam dieser zu mir und gab mir einen Brief, in dem er all „seine Vergehen“ auflistete und sich schriftlich entschuldigte, dass er mir so viel Ärger bereitet hatte. Ich war zu Tränen gerührt und erschüttert. Nie hätte ich so etwas erwartet! Ich bedankte mich und wir sprachen noch eine Weile. Der Junge freute sich sehr und lief sichtlich erleichtert davon. Ein neuer Anfang war möglich.
K.L.

Seit ein paar Monaten haben wir Handwerker in unserem Kloster, die einige Zimmer neu gestalten. Wenn wir zum Essen gehen, müssen wir immer durch das „Handwerker-Chaos“, um in unseren Speiseraum zu gelangen. Als auf dem Flur vor dem Speisesaal die Maler beschäftigt waren, trugen wir mit den Schuhen frische Farbe in den Raum. Über die vielen weißen Flecken auf dem Boden wurde viel geschimpft, die Stimmung war schlecht. Aber niemand tat etwas gegen die Flecken. Da dachte ich mir: „Jetzt red’ nicht nur“ – und versuchte, die Flecken zu entfernen. Die Stimmung entspannte sich und es kehrte wieder mehr Frieden ein.
W.A.

Zwei Wochen war ich bei meiner Mutter gewesen. Am letzten Tag folgte ich dem Impuls, mit ihr zu einem kleinen Wallfahrtsort in der Nähe zu fahren. Dort kam mir ein ehemaliger Kollege in den Sinn, der an diesem Tag seinen Hochzeitstag hatte. Wir steckten für ihn und seine Frau eine Kerze an und schickten ihnen dieses Foto. Seine Antwort am nächsten Tag: „Hab vielen Dank für deine Grüße und dein Gebet zu unserem Hochzeitstag. Gerade dieser Ort hat für meine Frau und mich eine besondere Bedeutung, haben wir uns doch gestern vor 40 Jahren genau dort das Ja-Wort und so das Versprechen für unseren gemeinsamen Lebensweg gegeben. Wie schön, dass du dort an genau diesem Tag für uns eine Kerze angesteckt hast.“
M.W.

Meine Schwiegermutter war zu Besuch. Mit der Arbeit eines Handwerkers war sie unzufrieden. Als wir darauf hinwiesen, dass sie nie mit irgendetwas zufrieden war, reagierte sie sehr gereizt. Beim Abendessen war sie immer noch sauer und als ich versuchte, den Vorfall herunterzuspielen, legte sie los und beschimpfte mich für Dinge, mit denen ich nichts zu tun hatte. Sie stand auf und verließ den Raum. „Ach, wenn sie doch zu Hause geblieben wäre!“, dachte ich. Aber dann drängte es mich, zu ihr zu gehen. Ich fand sie in Tränen. Als ich sie um Vergebung bat, beschimpfte sie mich erneut. Es blieb mir nichts anderes übrig als zu gehen. Und obwohl ich das Gefühl hatte, genug getan zu haben, riet mir eine innere Stimme, es später noch einmal zu versuchen. So ging ich noch einmal zu ihr, umarmte sie, wie ich es bei meiner Mutter getan hätte. Ich blieb, bis die Spannung nachließ. Am nächsten Tag schien sie unsicher, aber mein Lächeln nahm ihr wohl den letzten Rest Peinlichkeit.
M.L.

Ich musste für eine Nasenoperation ins Krankenhaus. Es war nicht das erste Mal. Ich habe eine seltene Krankheit und muss häufig behandelt werden: Deshalb mag ich Krankenhäuser nicht und hatte Angst. Da habe ich mich mit Jesus verbündet; ich wollte für und mit ihm leben, auch die unangenehmen Dinge. So habe ich Milch getrunken, die ich überhaupt nicht mag; am Tag der Operation habe ich ohne Aufhebens die blöde Krankenhauskleidung getragen; ich habe die vierstündige Wartezeit bis zur Operation geduldig abgewartet und versucht, die anderen Kinder zu lieben, die mit mir im Krankenhaus waren. Nach der Operation musste ich noch lange warten, bis der Arzt mich zu einer Kontrolluntersuchung rief. Ich war hungrig, müde und nervös; ich stieß einen Stuhl um und murrte. Dann erinnerte ich mich an das Versprechen, das ich Jesus gegeben hatte, und bereute es. Wenig später ging die Tür auf: Es war der Arzt; er rief mich.
P. (8 Jahre)

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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, November/Dezember 2025.
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