NGO

Wenn es um Menschenrechte, Umweltschutz oder humanitäre Hilfe geht, ist häufig von NGOs die Rede, die in diesen Bereichen arbeiten oder dafür ihre Stimme erheben. Was sind das für Organisationen?

Was ist eine NGO?
Die Abkürzung steht für „Non-Governmental Organization“, was oft mit „Nichtregierungsorganisation“ übersetzt wird; besser ist „Nichtstaatliche Organisation“. Eingeführt haben den Begriff die Vereinten Nationen (UNO). Sie grenzen damit regierungsunabhängige, zivilgesellschaftliche Interessenverbände, die sich in politische Prozesse einbringen, von staatlichen Vertretern ab. NGOs sind gemeinwohlorientiert, setzen sich zum Beispiel für Entwicklungs- oder humanitäre Hilfe, Menschenrechte, Umweltschutz oder die Bekämpfung von Korruption ein. Sie arbeiten im Allgemeinen ohne Gewinnabsicht, beraten Regierungen und zwischenstaatliche Institutionen und versuchen, Einfluss auf sie auszuüben. Allein beim Wirtschafts- und Sozialrat der UNO sind über 4 800 NGOs registriert.

Wie nehmen NGOs Einfluss?
Die Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn nennt drei Ansätze, wie sie auf die Politik einwirken: Mit Kampagnen, Protestaktionen oder auf informellem Weg arbeiten sie als Lobbyisten, werben also bei Politikern und in der Öffentlichkeit mit Argumenten für ihre Interessen. Sie nehmen an Verhandlungen teil – etwa zur Entwicklung globaler Standards und Normen – und sind dann unmittelbar an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt. Oder sie stellen ihr Wissen und ihre Strukturen als Dienstleister und Experten zur Verfügung.

Wie finanzieren sie sich?
In ihre Töpfe fließen zumeist Gelder aus mehreren Quellen. Das können Mitgliedsbeiträge sein, aber auch Einnahmen aus dem Verkauf von Waren. Häufig nehmen sie Spenden von Firmen, Institutionen oder Privatpersonen ein. Private und öffentlichen Stellen können ihnen Aufträge für Dienstleistungen erteilen und diese bezahlen. Manche NGOs erhalten erhebliche staatliche Zuschüsse.

Wo liegen die Knackpunkte bei den NGOs?
Fälle sexueller Ausbeutung durch Mitarbeiter haben in letzter Zeit an ihrem Ruf gekratzt. Grundsätzlich stellt ihre Macht infrage, dass NGOs nicht durch Wahlen legitimiert sind. Auch ihre Strukturen sind nicht immer demokratisch. Abhängigkeiten von Spendern oder staatlichen Mitteln lassen an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln. Der Konkurrenzkampf untereinander um Spenden kann zu einer medialen Inszenierung von Not führen, um die Öffentlichkeit emotional anzusprechen. Kritikern zufolge ist die Verwendung von Spenden oft nicht transparent.

Und was sind ihre Pluspunkte?
NGOs beobachten die Politik und die Umsetzung internationaler Übereinkünfte und reden den Mächtigen ins Gewissen. Sie fördern unabhängig von Parteien die Beteiligung von Bürgern am politischen Meinungsprozess und tragen deren Anliegen in die Politik. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin bescheinigt ihnen eine „Nähe zu unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen – eine wesentliche Voraussetzung zur Mobilisierung von Selbsthilfe und Eigeninitiative.” Ihre Stärke liege „in der hohen Motivation und Sachkompetenz ihrer Mitarbeiter”, ihrer langjährigen Erfahrung und der guten Vernetzung vor Ort.
Clemens Behr

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2018)
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