Auf sich zurückgeworfen

Stärker als sonst wird die Geduld auf die Probe gestellt: Schlange stehen, Abstand halten, warten. Ich kann nicht hin, wo ich will; nicht tun, was ich will; nicht treffen, wen ich will.

Routinen werden unterbrochen. Improvisieren ist gefragt. Alle sollen mehr Rücksicht nehmen: auf sich selbst, auf andere. Wer weiß, wer dieses Coronavirus in sich trägt, wo es zuschlägt, wie gefährlich es einem werden kann? Manche ertragen die Einschränkungen mit Fassung; andere verkraften sie nur schwer, fühlen sich eingeengt, eingesperrt, gegängelt.

Das Leid, das Verbote und Auflagen auslösen, ist groß –
Einkommensverluste, gefährdete Arbeitsplätze, Firmenpleiten, Einsamkeit. Erst recht das Leid derer, die COVID-19 befällt, und ihrer Angehörigen. Immerhin haben wir ein funktionierendes Gesundheitssystem. Länder, in denen Not und Elend ohnehin für viele Alltag sind, können ihre Bürger kaum medizinisch versorgen. Wer dort erkrankt, ist sich selbst überlassen. Keiner weiß, wie viele infiziert sind, keiner zählt die Toten, keinen interessiert, woran sie gestorben sind.
Gab es je eine Krankheit, die in allen Ländern zugleich grassierte? Ein Virus erteilt Anschauungsunterricht, wie abhängig wir weltweit voneinander sind! Aber führt das zu den nötigen Konsequenzen? Wenn ein Land es schafft, Corona loszuwerden, aber nicht mithilft, dass auch das andere Ende der Welt es besiegt, wird das Virus von dort über kurz oder lang wieder seinen Weg zurückfinden. Das müsste doch Grund genug sein, global an einer gemeinsamen Bekämpfung der Pandemie zu arbeiten! Aber wenn das nicht passiert?
Ich mache mir Sorgen. Die ungewohnte Lage wirft mich zurück auf mich selbst, auf den Personenkreis, mit dem ich mein Leben teile. Fragen kommen hoch, die ich mir sonst selten stelle: Was trägt mich? Was gibt mir Halt? Wo finde ich meine innere Mitte? Bin ich tatsächlich da verankert, wo ich immer dachte? Und wenn nicht: Woran kann ich meinen Anker neu festmachen?

Illustration: (c) cako74 (iStock.com)

Anregungen, um darauf Antworten zu finden, will die NEUE STADT geben: wenn sie von Menschen erzählt wie Sara Nuru dem Leben Fülle und Sinn abgewinnen will. Wenn sie mit dem „Wort des Lebens“ Mai 2020 und “Wort des Lebens” Juni 2020 Bibelstellen veranschaulicht. Wenn sie berichtet, was sich Leute ausdenken und wie sie sich einsetzen, um anderen zur Seite zu stehen – wie in den Rubriken „Tat-Sache“ und „Passiert“.
Finden Sie sich in den genannten Fragen wieder? Dann nutzen Sie das „Zurückgeworfensein“ doch auch, um sich neu zu vergewissern, wo Ihr Herz und Ihre Seele verankert sind!
Herzlichst, Ihr

Clemens Behr

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(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Mai/Juni 2020)
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(c) Alle Rechte bei Verlag Neue Stadt, München

Ein Gedanke zu „Auf sich zurückgeworfen

  1. Ingeborg Berghäuser sagt:

    Hallo,

    seit gefühlten Ewigkeiten bin ich Abonnentin der ‘Neuen Stadt’. Die Zeitschrift möchte ich nicht missen. Ich möchte aber gerne wissen, ob es auch eine Online-Ausgabe davon gibt. Seit fast zwei Jahren lese ich meine Tageszeitung auf dem Tablet, das spart eine Menge Papier und schont meine Papiertonne. Auf Ihrer Homepage entdecke ich zwar einige Artikel aus der ‘Neuen Stadt’, aber keinen Hinweis auf eine digitale Ausgabe. Ist der Aufwand zu groß für den Verlag?

    Freundliche Grüße,
    Ingeborg Berghäuser

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