Mit Gusto leben

Seit sieben Jahren ist Hans Jutz im Ruhestand und entdeckt immer neue Möglichkeiten, das Leben zu genießen.

Foto: privat

Hans Jutz, 72, war Unternehmer. Er übernahm den Verlag Neue Stadt Zürich, als dieser ganz in den Anfängen stand, und leitete ihn bis zu seiner Pensionierung. Seither lebt er in Lugano/Tessin. Er gehört zum Leitungsteam der Fokolar-Bewegung für die Südschweiz.

Ein bis auf die Wurzel und auch lustvoll gelebter Neustart war für mich der Übergang vom Berufsleben in die Pension. Vor zahlreiche Möglichkeiten einer Auszeit gestellt, wählte ich die verrückteste von allen: Ich setzte mich buchstäblich ab von allem Bisherigen und reiste für zwei Monate nach Pakistan. Für mich wurde diese Zeit zum radikalen Neubeginn. Ich begann anders zu sehen und zu denken. Es wurde so schön, dass ich mich in dieses Volk und in seine so gänzlich andere Kultur verliebte. In bestimmten Momenten trug ich ein Gewand wie sie, ein langes Hemd mit luftig weiten Hosen. Die Farbe, die sie für mich auswählten, war ein helles Blau. So fühlte ich mich denn auch und tanzte mit einer Gruppe von Männern in einem Behindertenheim, drehte mich um sie herum im Kreis mit erhobenen Armen, kindlich mit ungezähmter Freude.
Was habe ich erlebt in Pakistan? Ich spürte die Freude am ganz anderen, entdeckte ein neues Potenzial in mir.
Mein Elternhaus steht in Hildisrieden, ein kleiner Ort mit viel Natur und vielen Obstbäumen im Herzen der Schweiz. Der Vater war schon vorgerückt im Alter, als wir Kinder, drei Mädchen und ein Bursche, zur Welt kamen. Geborgenheit war da, sie war wichtig für mich. Ich lebte mit meinen drei Schwestern, irgendwie tief verbunden, doch jede von ihnen ging ihren Weg und ich den meinen. Als mein Berufsleben zu Ende ging, mit dem Eintritt in die Pension, haben wir zu neuer Geschwisterlichkeit zusammengefunden. Es ist wunderbar, drei Schwestern zu haben, mit denen ich teilen kann, was uns bewegt, und die schauen, dass ich gesund bleibe. Denn Gesundheit ist nicht selbstverständlich, wenn die Jahre zunehmen.
Kraftvoll zu leben bedeutet, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem, was ich zu geben habe, und dem, was ich vom Leben empfangen kann. Da das Leben ein so wunderbares Geschenk ist, wollte ich es meinerseits auch zum Geschenk machen. So lebe ich in einer kleinen Fokolar-Gemeinschaft im sonnigen Tessin und habe nochmals neu Verantwortung übernommen für das, was ist, und für das, was sich die lebendige Gemeinschaft hier erhofft. Meist tue ich es mit „Gusto“ und das kommt an. Ich stelle fest, dass ein Leben mit „Gusto“ Signalwirkung hat für mich selbst, für das, was ich tue und dabei erlebe. Und prompt kommt der Widerhall: „Wir sehen, du bist gut in Form“.
Ich gehe schlafen und wache auf mit dem Wunsch, mich selbst und die anderen nicht zu enttäuschen. Ich suche nicht irgendwo, sehne mich nicht nach fernen Horizonten, denn das Hier und Jetzt ist größer als jede Wunschvorstellung. Immer schon und immer wieder beindruckt mich, wie Gott sich den Menschen vorstellt: „Ich-bin-der-ich-bin-da“. Ja, Gott ist da – die Welt ist da – im Hier und Heute.
Einige Tage vor der Anfrage für dieses Testimonial wollte ich meinen Gemütszustand beschreiben. Ich setzte an und wurde froh dabei:

  • Es geht mir gut
  • Ich esse, damit ich in Form bin
  • Ich liebe, das gibt mir Schwung
  • Ich genieße das Leben und suche seine Tiefen
  • Sie zeigen sich – ich zieh sie an mich
  • Hier und Jetzt
  • Im köstlichen Augenblick.

Hans Jutz

(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Juli/August 2020)
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