Zeit mit Gott verschwenden
Lob hat etwas Zwiespältiges.
Nicht aber gegenüber Gott. Er ist jedes Lob wert.

Andrea Meyer
lebt mit ihrer Familie in Bad Tölz. Nicht nur als Lehrerin hat sie widerstreitende Erfahrungen mit dem Loben gemacht. Sie hat schon immer viel über Musik und Gesang zum Ausdruck gebracht. Eine gesundheitliche Einschränkung hat ihr einen neuen Bezug zum Lob Gottes eröffnet.
Schon als Kind sagten Lehrer über mich, ich sei „ehrgeizig“. Das war mir damals nicht bewusst, doch rückblickend kann ich es bestätigen. Ich genoss es grundsätzlich, Lob und Anerkennung zu bekommen, etwa wenn ich unserem Besuch zu Hause Klavier vorspielte. Aber auch sonst wollte ich alles möglichst „gut“ machen, nicht zuletzt, um dadurch gesehen und gemocht zu werden.
Als Grundschullehrerin habe ich erlebt, dass Kinder sehr unterschiedlich gelobt werden: die „Guten“ und „Braven“ erfahrungsgemäß mehr als die, die nicht ins „Schema“ passen – sei es persönlich oder auch gesellschaftlich. Auch mir gelingt es nicht immer, alle Kinder diesbezüglich gleichermaßen im Blick zu haben.
In meiner Ausbildung zur Montessori-Pädagogin lernte ich, dass Kinder dazu ermutigt werden sollten, ihre Arbeit zu ihrer eigenen Zufriedenheit auszuführen, anstatt nach externer Bestätigung zu suchen. Ich glaube, da ist viel Wahres dran; es lässt sich aber im gegenwärtigen Schulsystem allein schon aufgrund der Bewertung durch Noten nicht umsetzen.
So stehe ich dem Thema „Lob“ mehr und mehr kritisch gegenüber. Denn auch in meinem übrigen Lebensumfeld erlebe ich immer wieder, wie einzelne Personen begeistert „gefeiert“ werden (auch aus den edelsten Motiven), während andere wenig wahrgenommen werden. So geschieht – bewusst oder unbewusst – eine Kategorisierung von Menschen.
Eine völlig andere Dimension jedoch hat Lob für mich dann, wenn es um Gott geht. Lange konnte ich mit Lobpreis-Liedern nichts anfangen. Sie waren mir zu eintönig und ich verstand nicht, warum man teilweise bis zu zehn Minuten lang ein und dasselbe Lied immer wieder singt. Das änderte sich in den letzten Jahren, in denen sich meine persönliche Beziehung zu Jesus intensivierte. Als ich durch einen Hörsturz einseitig ertaubte, war ich einige Monate von allem, was mein Leben bisher ausmachte, abgeschnitten. Ich konnte nicht unter Leute gehen, meinen Beruf nicht ausüben, geschweige denn Musik machen oder hören – was bis dahin einen wesentlichen Teil meines Lebens und Seins ausmachte. Selbst meine eigene Familie war mir zu laut! Nur die immer intensivere Beziehung zu Jesus konnte mich in dieser Situation über Wasser halten. Ich konnte vor ihm nichts mehr „leisten“, was mich bisher doch mehr geprägt hatte, als ich dachte. Jetzt konnte ich nur noch mit ihm „sein“.
Inzwischen bin ich mit einem Hör-Implantat versorgt und kann auch wieder musizieren, wenn auch in Maßen und nicht zu laut. So besuchte ich eines Tages das Gebetshaus in Augsburg und verstand, dass dieser aus meiner bisherigen Sicht „sinnlose“ Lobpreis genau dieses „Sein“ mit Jesus war, eine Form des Gebets.
Gott ist der Einzige, dem wirklich volles Lob gebührt, denn er steht außer Konkurrenz! Als mein Schöpfer, Erlöser, beständiger Wegbegleiter, Hirte, … liebt er mich bedingungslos und in jedem Augenblick – ob ich es spüre oder nicht. Seine Hand führt mich; immer. Das könnte kein Mensch auf Erden für mich tun. Deshalb liebe ich inzwischen diese Form des Gebets und „verschwende“ wann immer möglich meine Zeit, um Gott zu loben. Er ist jedes Lob wert. In welcher Form auch immer.
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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Januar/Februar 2026.
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