4. August 2025

Urlaub

Von nst5

Ferien, Urlaub: Was das ist, weiß doch

jedes Kind! Ja, aber was bedeuten die Begriffe ursprünglich? Und meinen sie wirklich das Gleiche?

Woher stammt das Wort „Urlaub“?
Das alt- und mittelhochdeutsche „urloup“ bedeutete Erlaubnis: Eine höherstehende Person konnte einer untergebenen erlauben, vorübergehend von der Arbeit wegzugehen. Mägde und Knechte zum Beispiel konnten nach der Ernte den Altbauern, den „Ur“, um Erlaubnis bitten, den Hof zu verlassen. Später verstand man unter „urlauben“, jemanden zu entlassen, aus dem Dienst zu entfernen. Erst in neuerer Zeit bedeutet „Urlaub“ die offizielle vorübergehende Freistellung einer Person von einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis, wobei das Gehalt weitergezahlt wird. Noch im 19. Jahrhundert mussten Fabrikarbeiter sieben Tage in der Woche täglich über zehn Stunden schuften, während Beamten schon Urlaub gewährt wurde. Arbeiter konnten sich erst im 20. Jahrhundert Urlaub erkämpfen.

Wie unterscheiden sich „Urlaub“ und „Ferien“?
Der Begriff „Ferien“ stammt vom lateinischen Wort „feriae“ für Festtage, Ruhetage. Die waren ursprünglich dafür gedacht, Zeit für religiöse Feiern zu haben. Heute ist damit meist die Zeit gemeint, in der eine ganze Einrichtung ihre Tätigkeit einstellt: Schulen, Hochschulen, Parlamente, Gerichte. Im Schweizer Hochdeutsch werden sowohl die Zeit der Schließung einer Einrichtung als auch die persönliche Erlaubnis, Urlaub zu nehmen, Ferien genannt: Man fährt nicht in den Urlaub, sondern geht in die Ferien. Die beiden Begriffe haben heute noch eine weitere Bedeutung: Sie können auch die Reise selbst, die Fahrt an einen anderen Ort bedeuten, die während der freigestellten Zeit unternommen wird.

Wozu dient die arbeitsfreie Zeit?
Urlaub und Ferien dienen der Erholung: Körper und Geist sollen neue Kraft schöpfen, verbrauchte Energie wieder aufbauen können. Dieser gesundheitliche Aspekt des Erholungsurlaubs hat auch eine wirtschaftliche Bedeutung: die Arbeitskraft erhalten. Von der Arbeit freigenommene Zeit kann aber auch andere Ziele haben: Ein Bildungsurlaub dient der Fortbildung. Die Elternzeit kommt der Beziehung zu den Kindern und ihrer Erziehung zugute. Wer einen unbezahlten Urlaub in Anspruch nimmt, ein Sabbatical oder Sabbatjahr macht, kann damit unterschiedliche persönliche Absichten verfolgen.

Wer kann sich keinen Urlaub leisten?
In der EU konnten sich im Jahr 2023 rund 27 Prozent der Bevölkerung nicht einmal eine einwöchige Urlaubsreise leisten: In Rumänien waren es fast 60, in Norwegen nur acht, in Deutschland etwa 23 Prozent. In der Schweiz konnte jede fünfte Person nicht in die Sommerferien gehen. In Österreich erklärte 2024 jede sechste Person, nicht in Urlaub fahren zu können. Besonders betroffen sind Haushalte mit geringem Einkommen, Alleinerziehende und Rentner: von den Alleinerziehenden in Nordrhein-Westfalen etwa kann fast die Hälfte keinen Urlaub machen. Dagegen planten 2024 39 Prozent der Deutschen, zwei- oder dreimal im Jahr mindestens fünf Tage, 18 Prozent viermal oder öfter zu verreisen.
Clemens Behr


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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, Juli/August 2025.
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