2. Oktober 2025

Besserer Schutz vor Pornografie

Von nst5

Karima Okura

Foto: (c) Jenia Hamminger

Karima Okura
arbeitet seit 2013 als Referentin in der Elternarbeit beim Verein Safersurfing in Mödling bei Wien. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

LOVE IS MORE ist eine Initiative des Vereins, die sich an ein christliches Publikum richtet. Safersurfing möchte Menschen vor Sucht fördernden Inhalten im Internet schützen. Der Verein leistet Aufklärungsarbeit, bietet Betroffenen und ihren Angehörigen Unterstützung und stellt Informationen zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen zur Verfügung.
loveismore.org


Erst 2022 wurde „Pornografienutzungsstörung“ von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Störung von zwanghaftem Sexualverhalten anerkannt. War Pornografie früher auf spezielle Kinos, VHS-Videos und Magazine beschränkt, ist sie längst online für alle zugänglich. Schätzungen zufolge betreffen dreißig Prozent aller Suchanfragen pornografische Inhalte. Zwar sind die meisten Konsumenten Männer, aber auch immer mehr Frauen kämpfen mit Pornosucht.
Fast alle Kinder verfügen mit spätestens zwölf Jahren über ein Smartphone mit uneingeschränktem Internetzugang. Dadurch kommen sie immer früher mit Pornografie in Kontakt. Viele sind mit dem, was sie sehen, völlig überfordert. In der Pubertät entwickelt sich das Gehirn, und das in dieser Zeit Gelernte prägt sie sehr stark. Viele Jugendliche meinen, was Pornos zeigen, sei normal. Pornos verändern, wie man sich selbst und andere wahrnimmt. Der Körper wird zum Objekt. Daher gefährdet Pornokonsum die Fähigkeit, langfristige, stabile und befriedigende Paarbeziehungen einzugehen. Zudem kann er die Vereinsamung fördern. Er wird oft in die Ehe mitgenommen und fühlt sich für die Partnerin oder den Partner wie Ehebruch an.
Der Konsum von Pornografie aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn. Das kann zur Gewöhnung führen. Es braucht dann immer neue und stärkere Reize, um Glücksgefühle zu empfinden. So entwickelt sich schnell eine Sucht. Anzeichen dafür sind: Die Person hat ein starkes Verlangen nach Pornografie. Sie kann Dauer und Menge nicht mehr kontrollieren. Sie vernachlässigt andere Interessen und Beziehungen. Sie macht trotz schädlicher gesundheitlicher, psychischer und sozialer Folgen weiter.
Am besten ist es natürlich, gar nicht erst anzufangen, Pornos anzuschauen. Wie aber von der Sucht loskommen? Der erste und entscheidende Schritt ist, nicht mehr weitermachen zu /wollen/. Die meisten Menschen halten ihren Pornokonsum um jeden Preis geheim. Aber erst, wenn sie Hilfe suchen und über ihre Sucht mit einer Vertrauensperson sprechen können, ist Veränderung möglich.
Wir empfehlen betroffenen Personen den Besuch einer Selbsthilfegruppe. Dort können der Austausch und die Ermutigung viel dazu beitragen, von dieser Sucht frei zu werden. Manchmal ist die Hilfe eines Therapeuten oder Seelsorgers notwendig.
Wichtig ist herauszufinden, was der Nährboden für den Pornokonsum ist. Oft ist es der Versuch, Problemen aus dem Weg zu gehen oder Frust, Müdigkeit, Langeweile und Stress auszugleichen. Es ist der Mühe wert, diesen Gefühlen auf den Grund zu gehen und in echte Beziehungen zu investieren. Nur sie können die Leere füllen, die der Klick auf Sexseiten hinterlässt.
Ist der Mann süchtig, benötigt auch seine Partnerin Hilfe. Für sie ist es wichtig zu wissen, dass sie an seinem Pornokonsum nicht schuld ist.
Weil Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, braucht es einen besseren Schutz, einen erschwerten Zugang zu pornografischen Inhalten für sie. Dazu gehören verlässliche Alterskontrollen. Auch die Schule sollte das Problem thematisieren.


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Der Artikel oben ist erschienen in der NEUEN STADT, September/Oktober 2025.
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