Offene Türen
Ist es altmodisch, jemanden die Tür zu öffnen? Zuweilen stoße ich auf erstaunte Gesichter, wenn ich in einer Behörde oder einem Geschäft fremden Leuten die Tür aufhalte. Die meisten freuen sich über die kleine Geste, die sie für einen Augenblick aus dem Alltagstrott herausholt, und antworten mit einem Lächeln.
Wenn wir Sepp Gleich in dieser Nummer als „Türöffner“ beschreiben, ist nicht nur gemeint, dass er anderen freundlich die Tür aufgemacht hätte. Der Pfarrer aus dem Bistum Augsburg war einer der ersten in Deutschland, der dieFokolar-Bewegung kennenlernte, und er war für ihre Entwicklung in vielerlei Hinsicht ein Pionier: Er hat schon früh ökumenische Beziehungen geknüpft, sich für eine stärkere Gemeinschaft unter Priestern eingesetzt, die gemeinschaftliche Spiritualität in die Pfarreien getragen und Menschen über Ländergrenzen hinweg in Verbindung gebracht. Er hat Menschen Türen in vorher unbekannte Räume geöffnet, ihnen Neues gezeigt, ungeahnte Perspektiven erschlossen. Wir könnten ihn auch Start- oder Geburtshelfer, Wegbereiter oder Wegbegleiter nennen.
Sie werden in diesem Magazin weitere „Türöffner“ entdecken: Ganz offensichtlich in der Reportage über die „Joblinge“, eine Initiative, die sich um junge Leute kümmert, die nur schwer einen Job finden. Die Mitarbeiter des Projekts begleiten die Jugendlichen für ein halbes Jahr und öffnen ihnen die Tür ins Berufsleben.
Wie Eltern und Erzieher Kindern den Weg ins Leben bereiten können: darum geht es im Gespräch mit der Pädagogin Donata Elschenbroich. Alltägliche Gegenstände, die sie selbst gebrauchen oder die ihnen wichtig sind, können dabei gute Hilfsmittel sein. Sie fördern die Neugier und entwickeln Fantasie und Erfindungsgeist oft mehr als das neueste elektronische Spielzeug.
Teresa Enke macht mit der Robert-Enke-Stiftung Menschen Mut, die unter Depressionen leiden. Denn nach dem Tod ihres Mannes setzt sie sich dafür ein, dass diese Krankheit, die noch immer tabuisiert wird, stärker erforscht wird und die Gesellschaft mehr darüber erfährt. So öffnet sie Türen der Hoffnung.
Buchstäblich ihre Haustüren öffnen viele Menschen im Advent: An immer mehr Orten etablieren sich “lebendige Adventskalender”. Die Erfahrung zeigt, dass die Beteiligten dabei zugleich auch viele Herzen in der Nachbarschaft oder im Stadtviertel neu aufschließen.
„Sesam, öffne dich!“ Nicht immer öffnen sich Türen wie von selbst. Manchmal müssen wir erst den passenden Schlüssel suchen. Manchmal klemmt das Scharnier, und es braucht Fingerspitzengefühl und Geduld. Dennoch laden wir Sie mit dieser Nummer ein, dort, wo Sie können, Türöffner zu sein! Das ist wie viele kleine Geschenke verteilen und wird anderen wie auch Ihnen selbst Freude machen. Vielleicht erleben Sie Weihnachten dann noch intensiver als sonst: als das Fest, an dem Gott selbst die Tür zu den Menschen weit aufgerissen hat.
Ihr
Clemens Behr
(Erschienen in der gedruckten Neuen Stadt, Dezember 2012)
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